Was wird aus Facebooks Libra?

Kürzlich saß Mark Zuckerberg zum erneuten Male im Kongress und musste sich den harten Fragen der Abgeordneten stellen. Seit der Anhörung sieht es so aus, als sei das Projekt Libra den Bach heruntergegangen. Wie ist die aktuelle Lage wirklich?

Warum Libra wohl keine Chance haben wird


Zuckerberg musste sich so einige unangenehme Fragen gefallen lassen, vor allem zum Datenschutz und zum Thema der Wahlbeeinflussung. Manche sagen, er wurde regelrecht von Alexandra Ocasio Cortez vorgeführt. Wie auch immer man das sehen mag, im Verlauf der Befragung kam auch die geplante Kryptowährung Libra zur Sprache. Wenn man die Puzzelteile richtig zusammensetzt, dann sieht es aktuell wohl nicht so gut aus für das ambitionierte Vorhaben.

Facebook ist reich und mächtig, der Konzern sitzt zudem auf einem gigantischen Berg von Nutzerdaten. Zuckerberg weiß auch, wenn er sein Geld in den Kryptomarkt steckt, dann würde das eine ungeheure Rendite ermöglichen. Weltweit bekannt und verbreitet ist der Konzern schon ohnehin. Milliarden Menschen sind bereits Facebook-Nutzer. Wie schön wäre es für doch, wenn so viele Menschen nun auch noch mit seiner Währung bezahlen würden und Zuckerberg jeden Tag, an jeder Transaktion mitverdienen würde. Das wäre eine Lizenz zum Gelddrucken. Doch wie es aussieht kann er diesen Traum momentan vergessen. Der Gegenwind ist einfach zu heftig, aus allen politischen Richtungen.

Ein republikanischer Senator zum Beispiel kann den Gedanken nicht ertragen, dass Libra in der Schweiz angesiedelt werden und von einem internationalen Gremium kontrolliert werden soll. “Holen Sie es heim” – war der Tenor derer, deren einziges Problem es wohl ist, dass es irgendwo eine Institution auf dieser Welt geben soll, in der nicht die USA das Sagen haben. So könnten die eigenen Geheimdienste die Daten besser verwerten. Das ist wiederum einer der Gründe, warum Libra wohl sofort scheitern würden. Länder wie Russland oder China würden sofort ein Verbot verhängen, das dürfte klar sein. Andere Nationen könnten möglicherweise folgen. Sie würden es niemals zulassen, dass die Amerikaner die Herrschaft über ein weltweites Zahlungsmitteln geschenkt bekommen.

Daneben gibt es noch Kritiker, die es nicht gerne sehen, wenn einem großen Konzern auf diesem Wege so viel Macht zugesprochen würde. Sicher, der Libra würde nicht nur von Facebook allein kontrolliert. Aber wer weiß, ob es nicht doch möglich wäre die anderen beteiligten Institutionen zu korrumpieren und sich so die Macht zu sichern.

Zuckerberg hielt dagegen, dass der Dollar eventuell nicht für immer die Leitwährung der Welt bleibt. Das Land wird diesbezüglich von mehreren Seiten attackiert und es entwickelt sich eine mächtige Konkurrenz in Asien. Der Libra wäre möglicherweise die Chance, dass die Länder der freien Welt eine Währung erschaffen, die allen Menschen nützen könnte.

Das größte aller Probleme ist jedoch die Tatsache, dass das Drucken von Geld eine staatliche Aufgabe ist, die den Zentralbanken der Länder, bzw. Währungsräume unterliegt. Diese Macht würden sich die Politiker nur ungern aus den Händen reißen lassen. Zudem würde Libra genau das bieten, was eben nicht immer gewollt ist: Stabilität der Währung. Natürlich wünschen sich alle Nationen der Welt eine sichere und stabile Währung, aber in Zeiten der Krise ist die Verlockung doch manchmal zu groß, um ein wenig den Währungskurs zu manipulieren, um sich im internationalen Handel dadurch einen Vorteil zu verschaffen. Die EU zum Beispiel profitiert momentan davon, dass der Euro gegen den Dollar recht schwach geworden ist. Das kurbelt bei uns den Export an – auf Kosten der amerikanischen Konkurrenz. Da sich die Facebook-Währung jedoch aus verschiedenen Währungen speist, wäre eine Manipulation der einen Währung gegenüber der anderen nicht mehr ganz so einfach zu bewerkstelligen. Das wiederum würde den Politikern eines Landes gar nicht schmecken, wenn die Regierung gerade versucht ihre Wirtschaft mit Hilfe von Geldpolitik zu verbessern.

Die Lage ist also nicht sonderlich rosig, für alle jene, die auf eine Art weltweite Einheitswährung gehofft hatten – aus welchem Grund auch immer. Allerdings muss ein Nein nicht immer gleich ein dauerhaftes Nein sein. Denn die Idee ist zu lukrativ und vermutlich beginnt jetzt gerade hinter den Kulissen das anzufangen, was man Lobbyarbeit nennt. Senatoren und Abgeordnete werden auch irgendwann alt und durch jüngere ersetzt. Es kann also gut sein, dass gerade ersten Gelder in die Wahlkampfkasse von jungen Politikern anfangen zu fließen, die der Idee durchaus etwas abgewinnen können. Genügend finanzielle Mittel sind auf jeden Fall vorhanden.