Meine Erfahrungen mit Finanzberatern – Teil 1

Es gibt für mich kaum ein größeres Ärgernis als die Vertreter der Finanzindustrie. Meine Überzeugung kommt nicht von irgendwoher, sondern nährt sich aus zahlreichen eigenen Erfahrungen. Beinahe wurde ich selbst ein Teil des Systems, zum Glück habe ich mich aber aus der Sache rausgehalten. Aber fangen wir von vorne an, dann verstehen Sie vielleicht etwas besser, wie dieses System funktioniert und warum Sie sich von diesen Leuten fernhalten sollten.

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Der erste Kontakt mit der Finanzindustrie

Mein erster Kontakt mit einer der großen, selbsternannten „unabhängigen“ Finanzberatungsfirmen war direkt nach dem Studium. Den Namen halte ich lieber geheim, da deren Rechtsabteilung ein „etwas“ größeres Budget hat als ich.

Über das Internet habe ich mich ganz normal bei der Firma beworben und wurde zum Assessment-Center eingeladen. Damals dachte ich, dass dort lauter finanzwirtschaftlich affine Betriebswirte und Banker um einen einzigen, heiß begehrten Job konkurrieren würden. Stattdessen war die Veranstaltung voll von Bäckern, Metzgern, Möbelverkäufern, Friseurinnen, Arbeitslosen und gescheiterten Kleinunternehmern, die auf der Suche nach dem schnellen Geld waren. Damals dachte ich mir, dass solche Kandidaten doch nicht ernsthaft das Vermögen anderer Leute verwalten könnten? Selber nichts erreicht im Leben aber andere finanziell beraten? Wie passt das denn zusammen? Aber gut, ich dachte mir dass die Selektion schon die richtigen Kandidaten ins Ziel führen wird.

Das ganze Bewerbungsverfahren war dann ein einziger Scherz. Die Aufgaben waren zwar so anspruchsvoll und ausgefeilt, wie in den Büchern über Assessment-Center angekündigt, aber die Auslese war so gut wie null. Will sagen: die haben garantiert jeden Bewerber genommen, egal wie schlecht er sich verkauft hat. Wie das sein kann?

Der nächste Termin war ein Einzelgespräch mit einem erfahrenen Finanzberater. Er sagte mir, dass ich gut abgeschnitten hatte und dass ich unter seiner Betreuung „zur Probe“ anfangen könnte. Der erste Schritt dafür wäre, dass ich ein kleines Buch nehme (das er mir aushändigt) und darin alle meine Bekannten und Freunde aufschreibe, die mir einfallen. Mein Friseur, meine Eltern, meine Freunde, meine Kollegen, die Leute aus dem Sportverein, einfach jeden Menschen, mit dem ich schon einmal gesprochen habe. Diese Liste werden wir dann in den nächsten Wochen zusammen abtelefonieren.

Wenn es mir gelingt innerhalb von ein paar Wochen eine bestimmte Anzahl von Kunden zu akquirieren, dann darf ich bleiben. Ein Gehalt bekomme ich nicht, sondern nur die Prämien von dem, was ich den Leuten verkaufe.

Ich habe freundlich genickt, gelächelt, bin aufgestanden und habe gesagt ich brauche Bedenkzeit. Nachdem ich das Büro verlassen hatte, habe ich mich nie mehr bei ihm gemeldet.

Wie leicht man Finanzberater wird

Im Grunde bedeutet das: Die Firma kann problemlos jeden dahergelaufenen Deppen engagieren, denn Kosten entstehen für sie keine. Diese armen, zum Teil verzweifelten Leute grasen dann ihr Umfeld ab und versuchen ihren Verwandten und Bekannten irgendwas zu verkaufen. Wenn sich dieser kleine Markt irgendwann erschöpft hat und sie keinen Umsatz mehr machen, dann fliegen sie wieder raus und die nächste willige Generation von Verlierern steht schon bereit um Ihren Freundeskreis an die Haie zu verfüttern. Risiko und Kosten gleich Null, Gewinn riesig.

Fazit

Es gibt „Finanzberater“ und es gibt „Finanzberater“.

Die eine Sorte hat etwas mit Finanz-, Bank- oder Versicherungswesen studiert / gelernt, und kennt die Zusammenhänge an den Kapitalmärkten wie im Schlaf. Sie verwalten das Vermögen wohlhabender Kunden und stellen sicher, dass ihre Klientel ein regelmäßiges Wachstum ihrer Werte erlebt.

Die andere Gattung rekrutiert sich aus unterqualifizierten, zum Teil gescheiterten Existenzen, deren Kompetenz in Sachen Vermögensverwaltung gegen Null tendiert. Diese Sorte verkauft lediglich ein paar ausgewählte Versicherungsprodukte und baut kein Vermögen auf. Ihr Ziel ist es, den finanziell unwissenden Leuten ihr restliches Geld aus der Tasche zu ziehen.

Leider sind sie selbst finanziell zu ungebildet dafür um zu sehen, was sie da eigentlich anrichten. Die Leute, die ich getroffen habe waren der festen Überzeugung sie würden Ihren Freunden sogar noch helfen und das tun sie ganz sicher nicht.

Diskutieren Sie gerne mit!

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?

Oder haben Sie ganz andere Erfahrungen gesammelt?

Lassen Sie es uns wissen!

Vorschau

In Teil 2 erfahren Sie, woran Sie einen schlechten Finanzberater erkennen und wie Sie merken, dass Sie abgezockt werden.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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