Sex and the City – eine Serie mit Konsequenzen

Ich bin ein Kind der 90-er und spießig ging es zu dieser Zeit sicher nicht zu. Allerdings wurde mir selbst erst richtig bewusst, dass etwas noch nicht ganz geheuer ist mit der Gleichberechtigung, als die Serie Sex and the City ins Fernsehen kam. Da waren diese vier Frauen, die so offen über Sex redeten als wäre es das normalste auf der Welt. Ich war damals 22 und das war sogar für mich noch ungewohnt. Nicht unangenehm, sondern einfach generell ungewohnt solche Dinge zu sehen und hören zu bekommen. Im Nachhinein betrachtet denke ich, dass diese Serie in ganz gravierendem Maß zur emanzipierten Situation der Frauen von heute beigetragen hat. Zudem bin ich mir sicher, dass auch das Verhältnis beider Geschlechter davon profitieren konnte – zumindest wenn man(n) genau zugeschaut hat.

S.A.T.C. – eine Vorher-Nachher Vergleich

In meiner Teenagerzeit war ich es noch nicht gewohnt, dass Frauen offen über Sex redeten und Bedürfnisse so explizit diskutierten. Nach Erscheinen der Serie schien es irgendwie völlig alltäglich zu sein. Eigentlich denke ich, dass die 4 Mädels für ihre Verhältnisse ein unrealistisches Bild gezeigt haben. Sie verhielten sich nicht so, wie es war, sondern so wie sich Frauen es zu dieser Zeit wünschten sein zu können. Aber das kann ich im Nachhinein nicht beurteilen. Jedenfalls: All die jungen Ladys, die sich das ansahen, nahmen ihr Verhalten zum Vorbild und benahmen sich plötzlich so. Auf diesem Wege hat sich in kurzer Zeit sehr viel mehr weibliche Selbstbestimmung in die Welt geschlichen als auf anderem Wege je möglich gewesen wäre.

Eine prägende Szene dafür ist zum Beispiel als Charlotte sich den Rabbit Vibrator zulegt. Selbst heute noch ist dieses Gerät in Gebrauch und ein echter Kassenschlager. Es handelt sich dabei um einen Vibrator, der wie ein liegender Hase mit Ohren aussieht. Durch seine Form kann er gleichzeitig vaginal als auch klitoral stimulieren. Mit Hilfe von mehreren Motoren lässt sich die Intensität einzeln regulieren. Damals eine Sensation. Heute gehört es zum guten Ton den eigenen Vibrator zu haben und darüber zu reden welcher der beste ist. Auf manchen Sendern läuft zur Hauptsendezeit Werbung für Sextoys. Sogar auf YouTube laufen reihenweise Clips, wo die Vorzüge bestimmter Vibratoren präsentiert werden – hier ein Beispiel:

An solchen alltäglichen Dingen zeigen sich deutlich die Veränderungen…

Was mir auch sehr gut gefallen hat (ich kenne jede Episode): die Themen Beziehung, Dating, Flirten und Sex wurden zum ersten mal so richtig bis ins kleinste Detail aus weiblicher Perspektive beleuchtet. Vorher undenkbar. So wurde mir erst richtig bewusst, mit was für einer Masse von Idioten man es als Frau zu tun bekommt. Man denke nur an den “Rammler”, wegen dem Carrie am Tag nach dem Akt kaum laufen kann. Und der Kerl kann sich absolut nicht erklären, was das Problem sein könnte. Was für ein Blödmann. Manchmal denke ich, dass diese Serie für Männer deutlich lehrreicher sein konnte als für das weibliche Publikum 😉

Auf jeden Fall lässt sich sagen: Gut für uns alle, dass es diese Serie gab. Und vor allem Männer sollten sie unbedingt komplett anschauen – selbst heute noch.