Gesellschaftliche Auswirkungen von Dating-Websites

Ich habe mal einen interessanten Artikel darüber gelesen, welche gesellschaftlichen Änderungen in den Beziehungen zwischen Mann und Frau in den letzten Jahren stattgefunden haben. Einen Beitrag zu diesen Entwicklungen leisteten unter anderem die vielen, kostenlosen Datingwebsites und natürlich auch die kostenpflichtigen Anbieter wie Parship,  Friendscout, Elitepartner (und wie sie alle heißen).

Früher war es viel mehr verbreitet, dass sich gesellschaftliche Schichten durchmischt haben. Männer neigten dazu bei Frauen nicht auf den Bildungsgrad und ihr Einkommen zu schauen. Im Gegenteil, meistens nahmen sie sich eine Frau, die weniger verdiente und beruflich nicht so erfolgreich war wie sie. Dadurch kam es zu Konstellationen wie man sie aus den guten alten Filmen kennt: der Manager heiratet seine Sekretärin, der Chefarzt eine Krankenschwester, der Akademiker die Arzthelferin oder die Friseuse. Wobei ich diese Berufe nicht mit einem Mangel an Intelligenz verbinden möchte, sondern es sind eben die Jobs, die in diesem Land als Synonyme für Niedriglohnberufe gelten.

Die oben genannte Situation hat sich heute dahingehend geändert, dass sich die Paare immer ähnlicher werden. Der Akademiker sucht sich mittlerweile eher eine andere Akademikerin. Immer häufiger sind die Einkommen der beiden Partner gleich oder ähnlich. Dies resultiert zum einen daraus, dass sich die gesellschaftlichen Normen verändert haben. Die Frauen haben sich emanzipiert und möchten nicht mehr nur noch die brave Hausfrau sein. Zum anderen ist aber auch die Transparenz am “Heiratsmarkt” deutlich höher als früher. Wenn im Jahr 1990 ein Arzt in einem Provinzkrankenhaus eine Stelle angetreten hat, dann war es für ihn sehr nahe liegend, dass er sich als Partnerin eine Krankenschwester sucht, bzw. eine Frau aus diesem Umfeld. In der Arbeit verbringt man nun einmal sehr viel Zeit miteinander und in der Provinz ist die Auswahl an Partnern nicht so riesig. Heute wäre das vermutlich anders. Mit Hilfe von Partnerbörsen, kann sich der Arzt nun gezielt nach Frauen umsehen, die in seiner beruflichen Kategorie tätig sind. Datingewebseiten sind nämlich gut sortiert und bieten viele Auswahlkriterien. So kann der Herr Doktor ganz gezielt die Frau Doktor ausfindig machen und sie dann kennen lernen. So können die beiden glücklich miteinander fachsimpeln.

Diese Entwicklung ist natürlich für die Menschen gut, denn sie haben mehr Auswahl und können bei der Partnersuche noch mehr ihrer Wünsche berücksichtigen. Das gesellschaftliche Problem ist jedoch, dass dieses “gleich und gleich gesellt sich gern” – Spiel dazu führt, dass sich einkommensstarke Partner zunehmend konzentrieren, während Geringverdiener nun eher mit anderen Geringverdienern vorlieb nehmen müssen. Für viele Frauen war früher die Heirat die einzige Chance finanziell im Leben irgendwann bessergestellt zu werden. Heute entfällt diese Option immer mehr. Anstatt also die Gesellschaft schön durchzumischen, gehen die Trends in Richtung Extreme, was die Einkommen der Haushalte angeht.

Vielleicht ist auch das der Grund, warum in Deutschland zunehmend Menschen ärmer werden und warum immer mehr Kinder in Armut aufwachsen. Wer unten ist, der bleibt nun definitiv unten.

Gut, der alleinige Grund ist es sicher nicht. In den 1970-er Jahren konnte ein Fließbandarbeiter aus der Fabrik seine Familie allein ernähren und zudem noch Wohnung und Auto abbezahlen. Diese Zeiten sind leider auch vorbei.

Auf jeden Fall ist es nun so und dieser Trend wird sich auch nicht mehr umkehren lassen. Er sollte es auch nicht, denn die Leute sollen ja den passenden Partner finden und glücklich sein. Allerdings muss die Gesellschaft auf die daraus resultierenden Veränderungen die richtigen Antwortern finden.

Author: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.