Abstand – ein Weg zum inneren Gleichgewicht

Anzeige – Der Mensch ist ein soziales Wesen, manchmal zu seinem Leidwesen. Wir alle haben eine Eigenschaft in uns, die wichtig ist für das Überleben der Gesellschaft. Manchmal stellt sie aber ein Hindernis dar, und bereitet uns viel Kummer und Sorgen. Mutter Natur hat uns eingepflanzt, dass wir, sobald wir Teil einer Gruppe werden, zu ihrem Überleben beitragen und sie beschützen. Das gilt auch, wenn unser Beitritt nicht ganz freiwilliger Natur war. Während einer Terroraktion in Schweden 1973 hat man beobachtet, dass sich sogar Geiseln irgendwann mit den Tätern identifizieren und mit ihnen kooperieren. So entdeckte man das psychologische Phänomen des Stockholm Syndroms.

In einem Buch von Marketing-“Guru” Anne Schüller habe ich gelesen, dass es für Unternehmen das größte aller Ziele sein muss, diesen Instinkt auszubeuten, indem sue unter den Kunden so etwas wie ein Wir-Gefühl erschaffen. Man muss den Menschen das Gefühl geben, dass sie Teil einer Gruppe sind. Dann entwickeln sie Loyalität zum Produkt oder zum Unternehmen. Siehe die Leute, die auf der Straße übernachten, um als erster das nächste neue iPhone in der Hand zu halten. Totaler Irrsinn, aber so sind Menschen eben.

In der Arbeit bilden sich auch solche emotionalen Bindungen und oft sind sie schädlich für uns. Ich habe öfter mit Leuten geredet, die von ihren Firmen ausgenutzt und nicht ausreichend gewürdigt wurden. Warum sie nicht kündigen? Weil sie Angst hatten die Kollegen und die Gruppe im Stich zu lassen…. Ich nenne es das “kleine Stockholm Syndrom”.

Anderer Fall: Manche Mitarbeiter haben Angst ihren Job zu verlieren oder den Chef / das Team zu enttäuschen. Sie steigern sich in die Tätigkeit hinein und machen unbezahlte Überstunden. Sie stehen und fallen mit dem Erfolg ihrer Arbeit. Irgendwann bekommen sie einen Burnout und werden dann durch den nächsten, willigen Idioten ersetzt. Diese Gefahr bedroht uns jeden Tag.

So ist das leider. Wir identifizieren uns automatisch mit der Gruppe und den Tätigkeiten, die unser Leben bestimmen. Auch wenn das nicht immer gut für uns ist. Wenn wir dann aber von anderen hören, die das machen, dann fragen wir uns, wieso sie denn so “dumm” sind. Wieso lassen sie das zu? Nur wegen der Arbeit sich so kaputtzumachen? Und genau darin liegt die Lösung:

Mit dem richtigen Abstand stellen wir unser inneres Gleichgewicht wieder her. Dafür genügen manchmal nur ein paar Minuten freie Zeit, in denen wir uns bewusst machen, dass unvorteilhafte Bindungen eingegangen sind. Diese müssen wir uns bewusst machen. Dabei ist es wichtig, dass wir uns in dieser Zeit von äußeren Einflüssen wie Freunde, Kinder, Partner zu befreien und nur auf uns selbst fokussiert sind. Indem wir nun immer wieder das emotionale Band durchschneiden, befreien wir uns von dieser Last. Wenn das nicht hilft, dann sollten wir uns ein paar Tage oder auch Mal eine Woche Zeit für uns selber gönnen. Das ist wichtig, damit wir zu den negativen Einflüssen eine gesunde Distanz aufbauen, die wir dauerhaft einhalten.

Author: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.