Wie man möglichst schnell eine Arbeit findet

Seit dem Studium habe ich zwei von drei meiner bisherigen Arbeitsplätze durch Zeitarbeit gefunden. In meinem privaten Umfeld haben es viele Bekannte und Freunde auf gleichem Weg zu einer Anstellung geschafft. Wir alle haben heute eine gut bezahlte Arbeit und würden wahrscheinlich genauso vorgehen, wenn wir wieder auf Arbeitssuche wären. Zeitarbeit ist in Deutschland mittlerweile einer der besten und schnellsten Wege, um einen Job zu finden, egal ob als Akademiker, Angestellter oder Arbeiter.

Ich erläutere in diesem Artikel, warum das so ist und wie man am besten vorgeht, um seine Erfolgschancen zu erhöhen.

 

Was ist Zeitarbeit und Personalvermittlung?

Die Arbeitsgesetze in Deutschland sind sehr streng, was das Kündigen von Mitarbeitern betrifft. Wer in einer Firma eingestellt wurde, den kann man auf legalem Weg nur schwer wieder entlassen. Aus diesem Grund scheuen sich viele Firmen davor, jemanden fest anzustellen. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, wurde die Zeitarbeit vom Gesetzgeber gefördert. Sie sollte ein wirksames Mittel gegen Langzeitarbeitslosigkeit werden.

Zeitarbeitsfirmen bzw. Personalvermittler sind Unternehmen, die Menschen einen Arbeitsvertrag geben und sie dann an andere Firmen gegen Gebühr verleihen. Das wird zum Beispiel notwendig, wenn es saisonal bedingte Umsatzsteigerungen in den Fabriken gibt, und die Firmen nicht genug eigene Angestellte haben, um die Aufträge zu bedienen. Dann rufen sie die Vermittler an und leihen sich Arbeitskräfte für einen befristeten Zeitraum.

Für den Arbeitnehmer kann das bedeuten, dass er innerhalb von einigen Monaten in mehreren, unterschiedlichen Firmen tätig wird. Der Vorteil ist, dass er eine Arbeit hat, in der er krankenversichert ist und die in die Rentenkasse einzahlt.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum immer mehr Firmen die Vermittler nutzen. Für kleine und mittelständische Unternehmen ist es sehr kompliziert, eine Stelle zu besetzen. Auf eine Ausschreibung bewerben sich häufig hunderte von Kandidaten. Sie müssen auf ihre Kenntnisse geprüft werden. Danach kommen die Interviews, Absagen, die Rücksendung von Unterlagen und vieles mehr. Diesen bürokratischen Aufwand sparen sich die Unternehmen häufig und rufen lieber direkt bei einer Personalvermittlung an, ohne die Stelle auszuschreiben. Die Personalfirmen haben meist große Datenbanken und sie selektieren passende Kandidaten für die Position.

Es spielt mittlerweile keine Rolle mehr, ob große oder kleine Firma, ob Stellen für Akademiker oder Lagerarbeiter. Die meisten Firmen haben mittlerweile den komplizierten Prozess der Personalbeschaffung an die Zeitarbeitsfirmen ausgelagert und bedienen sich aus deren Bestand. Das gilt zumindest für die Positionen, denen keine strategisch wichtige Bedeutung zugemessen wird.

Ich habe das gemerkt, als ich im Jahr 2008 selber eine Zeit lang auf Arbeitssuche war. Für jedes Bewerbungsgespräch, welches ich über eine Stellenanzeige in der Zeitung oder im Internet erlangt hatte, führte ich auf der anderen Seite 5 Gespräche, die mir eine Zeitarbeitsfirma vermittelt hatte. Dieses Verhältnis war für mich der Beweis, dass es einen großen Schattenarbeitsmarkt gibt. So nenne ich die Arbeitsplätze, die nirgendwo offiziell ausgeschrieben werden. Das sind Jobs, die sich in der Hand der Vermittler befinden, und wer nicht mit ihnen zusammenarbeitet, dem entgehen circa 80% der potenziellen Arbeitsplätze.

Später, nachdem ich in mehreren Firmen Erfahrung gesammelt hatte, bestätigte sich dieser Eindruck zusätzlich. Selbst große, börsennotierte Konzerne greifen massiv auf Personalfirmen zurück, weil es sehr viel schneller geht als auf dem üblichen Weg.

 

Bewerbungsstrategien bei Zeitarbeit

Passende Personalvermittler sind sehr leicht und schnell zu finden. Man gibt nur in die Suchmaschine „Zeitarbeit“ und den Namen der nächstgrößeren Stadt ein, und schon erscheint eine lange Liste. Nun sollte man seinen Lebenslauf bei möglichst vielen dieser Firmen hinterlegen oder sich online in deren Datenbanken registrieren. Das ist wichtig, denn meist haben die Personalvermittler im Laufe einer langfristigen Geschäftsbeziehung eine persönliche Verbindung zu den Ansprechpartnern in den Firmen aufgebaut. Daher arbeiten manche Unternehmen exklusiv mit der einen oder anderen Vermittlung zusammen. Wer also darauf hofft, auf diesem Weg in eine bestimmte Firma zu gelangen, der wird das nur schaffen, wenn er zufällig beim richtigen Vermittler registriert ist. Leider kann man als Außenstehender nicht wissen, wer mit welcher Vermittlung kooperiert. Eine Möglichkeit hierzu wäre, bei der angestrebten Firma anzurufen und diese Information direkt zu erfragen. Manche von meinen Bekannten haben das so gemacht und sie haben diese Auskunft problemlos erhalten.

Sobald man seine Unterlagen in der Datenbank eingereicht hat, wird man normalerweise schnell zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dieser Termin hat noch nicht viel Aussagekraft. Er dient lediglich dazu, den Kandidaten darauf zu prüfen, ob sein Erscheinungsbild und sein Auftreten eine erfolgreiche Vermittlung möglich machen.

Während des Gesprächs wird man häufig gefragt, ob man an Zeitarbeit oder an einer direkten Vermittlung interessiert sei. Zeitarbeit bedeutet ein befristetes Verleihen an eine andere Firma. Die direkte Vermittlung bedeutet, dass man nach einer Festanstellung sucht. Bei dieser Frage ist es auf jeden Fall besser zu sagen, dass man ausschließlich an Zeitarbeit interessiert sei. Dann bekommt man normalerweise viel schneller eine Arbeit.

Bei der Direktvermittlung wird man eher keinen Erfolg haben, denn diese bietet den Endkunden nur Nachteile und wird daher so gut wie nie in Anspruch genommen. Der Grund dafür ist, dass für eine Vermittlung sofort eine Gebühr fällig wird, die ungefähr 5.000–15.000 Euro hoch ist. Zudem trägt der Endkunde das Risiko, dass er einen schlechten Mitarbeiter übernimmt. Dementsprechend ist kaum ein Unternehmen bereit, diese Bedingungen zu akzeptieren. Viel lieber engagieren sie die Bewerber zunächst als Zeitarbeiter und testen sie über mehrere Monate. Wenn sie sich dort bewähren und gute Leistungen erbringen, dann kann es gut sein, dass sie als Festangestellte übernommen werden. Die Übernahme ist meist nach sechs oder neun Monaten für den Kunden kostenfrei. Daher wählen die Firmen eher diesen Weg und verzichten auf Direktvermittlungen. Derartige Informationen werden den Bewerbern normalerweise verschwiegen. Leider gibt es viele, die das nicht wissen, und sie warten dann vergebens über Monate auf eine direkte Anstellung.

Auch wichtig zu wissen ist, dass man leider nicht beide Wege gehen kann. Ein Mitarbeiter kann nicht darauf hoffen, als Zeitarbeiter bei einer Firma untergebracht zu werden, während der Vermittler noch weiter nach Stellen per Direktvermittlung sucht. Man zieht normalerweise niemanden von einem Kunden ab, damit man ihn an einen anderen vermittelt. Das wäre äußerst geschäftsschädigend, denn es würde die Firma verärgern, an die der Mitarbeiter gerade verliehen ist. Sie müssten dann wieder jemanden neu einarbeiten.

Wer dennoch beide Möglichkeiten nutzen möchte, dem bleibt nur, sich mit unterschiedlichen Zielsetzungen zu bewerben. Ich habe es zum Beispiel so gemacht, dass ich mich bei 50% der Personalfirmen für Zeitarbeit registriert habe. Den anderen 50% habe ich verdeutlicht, dass ich ausschließlich an Direktvermittlung interessiert sei. Somit bin ich zweigleisig gefahren und habe mir mehrere Optionen offen gelassen. Die besseren Resultate erzielte ich mit den Firmen, bei denen ich auf Zeitarbeit gesetzt hatte. Daher würde ich heute nur noch diese Alternative wählen.

Um seine Chancen auf Erfolg weiter zu erhöhen, sollte man als Bewerber deutlich machen, dass man seine Arbeit möglichst langfristig ausüben möchte. Wer zum Beispiel im August weiß, dass er im November ein Studium beginnt, oder eine lange Auslandsreise plant, der verringert seine Aussichten, wenn er diesbezüglich die Wahrheit sagt. Hier ist es immer wichtig, die eigenen Interessen im Auge zu behalten und es notfalls mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Wenn es gut läuft und man einen Job bekommt, dann tritt man die Stelle an und kündigt dann einfach wieder rechtzeitig, wenn man sie nicht mehr braucht. Man sollte hier absolut keine falschen Hemmungen bei der Durchsetzung der eigenen Interessen haben. Die Personalvermittler belügen und benachteiligen die Bewerber ebenfalls und schauen auch immer nur auf ihren eigenen Vorteil.

Gleiches gilt auch für den Fall, wenn man die Arbeitssuche nach einer Festanstellung fortführt. Wichtig ist es doch, möglichst schnell eine Arbeit zu finden, um an Geld zu gelangen und sozial abgesichert zu sein. Niemand wird dadurch daran gehindert, weiter nach seinem Traumjob zu suchen. Daher kann ich jedem nur empfehlen, sich kurzfristig eine finanzielle Absicherung zu verschaffen. Dafür ist Zeitarbeit der schnellste und unkomplizierteste Weg. Wenn man sich diese stabile Basis aufgebaut hat, kann man noch immer Ausschau nach anderen Optionen halten. In diesem Fall darf man das natürlich auch nicht offen sagen. Ein Bewerber muss immer einen Weg finden, glaubhaft zu vermitteln, dass er langfristig eingesetzt werden möchte. Ich habe an dieser Stelle immer beteuert, dass ich Zeitarbeit als Weg sehe mich zu beweisen und darauf hoffe, dass mich eine Firma im Verlauf der nächsten Monate oder binnen eines Jahres fest übernimmt. Daher habe ich behauptet, ich würde nicht mehr nach weiteren Stellen suchen, sobald ich bei einem Kunden eingesetzt werde. Das war natürlich nicht ehrlich von mir. Aber ich bereue es absolut nicht, denn hinter den Kulissen habe ich so oft beobachtet, wie die Zeitarbeitsfirmen und der Endkunde Hand in Hand zusammenarbeiten, um die Mitarbeiter zu übervorteilen.

 

Fazit

Viele Arbeitssuchende machen den Fehler und ignorieren die Möglichkeiten der Zeitarbeit. Sie wissen meist nicht, dass 80% der guten Stellen niemals ausgeschrieben werden. Oft verbringen sie daher mehrere Monate damit, auf den perfekten Job zu warten. Während dieser Zeit verlieren sie viel Geld und sammeln keinerlei Berufserfahrung. Als Zeitarbeiter ist das anders. Auch wenn man nicht immer so gut bezahlt wird wie die Festangestellten einer Firma, man bekommt zumindest ein Gehalt und oft ist die Tätigkeit auch berufsrelevant. Jemand mit einer kaufmännischen Ausbildung wird meist auch für Arbeiten im Büro vermittelt. Dort kann er Erfahrungen sammeln, die sich für spätere Bewerbungen wahrscheinlich als Vorteil erweisen werden. Zudem wird man durch Zeitarbeit nicht daran gehindert, weiter nach einer besseren Stelle zu suchen.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.