Gedächtniskunst

Ebook-PDF-Download: Gedächtniskunst – Loci-Methode, Gedächtnispalast und Major-System

In diesem Gedächtniskunst-Ebook finden Sie detaillierte Erläuterungen der unten genannten Memoriertechniken.

Memoriertechnik

Klassisches Lernen: Pauken, Übung und Wiederholung

Lernen bedeutet für die meisten Menschen Pauken. Man wiederholt, wiederholt und wiederholt Informationen so lange, bis sie im Gedächtnis gespeichert werden. Herrmann Ebbinghaus hatte einst den Erfolg dieser Methode untersucht, um damit die Merkfähigkeit des Gedächtnisses zu messen. Er gab seinen Testpersonen „Vokabeln“ zum lernen und testete, wie lange sie sich an sie erinnern konnten. Das Resultat war die berühmte Ebbinghaus-Vergessenskurve.Ebbinghaus-Vergessenskurve Man muss dazu sagen, dass es sich bei dem gelernten Material um sinnlose Wörter handelte und nicht um Vokabeln einer existierende Sprache. So war sichergestellt, dass keiner der Testpersonen entsprechende Vorkenntnisse besitzt und die Ergebnisse verfälscht.

Des Weiteren muss man erwähnen, dass die Ebbinghauskurve nur für diesen einen Test gültig ist. Sobald man zum Beispiel Reime oder Sachverhalte / Zusammenhänge als Lernstoff darbietet, verläuft die Kurve deutlich flacher – wie im Bild unten zu sehen.

Vergessenskurve - Schräder-Naef (1990)
Vergessenskurve – Schräder-Naef (1990): Die Vergessenskurve verläuft unterschiedlich flach bei verschiedenen Lerninhalten (CC BY-SA 3.0 DE)

Dennoch kann man sagen, dass die Methode „Üben & Widerholen“ zeitaufwändig ist und sie unterliegt einer relativ hohen Verlustrate.

Lernen mit den antiken Gedächtnistechniken

Wenn man in der heutigen „Gedächtnistrainer-Szene“ von Gedächtniskunst spricht, dann meint man im Allgemeinen die „Loci-Methode“, den „Gedächtnispalast“ und das „Major-System“. Das sind die Techniken, mit denen die Gedächtnis-Weltmeister bevorzugt arbeiten. Diese Tricks sind deshalb so verdammt gut, weil sie Fähigkeiten des Gehirns verwenden, die eigentlich nicht für das Memorieren vorgesehen sind: visuelles Speichern und räumliches Denken.

Alle weiter unten genannten Memorier-Methoden arbeiten nach demselben Prinzip. Anstatt die Informationen durch simples Wiederholen zu speichern, werden sie durch zusätzliche Assoziationen angereichert. Ein Beispiel: Sie wollen sich die Hauptstadt der afrikanischen Republik Tschad merken – Ndjamena. Sie könnten sich hinsetzen und 100 Mal vor sich her sagen: „Die Hauptstadt des Tschad ist Ndjamena.“. Für das Gehirn ist das eine sinnlose Information. Es ist ein Wort wie jedes andere, genauso wie die sinnlosen Silben. Damit unterliegt sie der Vergessenskurve nach Ebbinghaus. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass Sie sie nach einigen Tagen wieder vergessen.

Probieren Sie es stattdessen mit einem Bild: In  „Ndjamena“ verstecken sich zwei Wörter, die es auch im Deutschen gibt: DJ (=Discjockey) und Amen (wie in der Kirche). Stellen Sie sich nun eine Stadt in Afrika vor, wo ein DJ mit seinen Plattenteller mitten auf der Straße steht und von einem Priester gesegnet wird, der immer wieder „Amen“ sagt. Mit Hilfe dieses Bildes bauen Sie sich eine Eselsbrücke und können sich den Namen der Stadt leicht wieder ins Gedächtnis rufen. Wenn Sie sich nun wieder hinsetzen und 100 Mal vor sich her sagen: „Ndjamena ist die Hauptstadt des Tschad.“ und wenn Sie sich dabei gleichzeitig dieses Bild vor Augen führen, dann unterliegen Sie einer anderen Vergessenkurve. Es wird  eher die sein, die für „Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten“ gilt. Der Grund ist, dass Sie beim Erstellen des Bildes kreativ geworden sind. Das wiederum ist eine Form der aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema. Es ist eine  andere Art des Lernens und sie ist viel wirksamer.

Anstatt also dem Gehirn stumpfe Fakten darzubieten, werden  Informationen mit zusätzlichen Inhalten, Bildern und möglicherweise Emotionen angereichert. Dieser Umweg erfordert nur wenig Zusatzaufwand, bewirkt aber eine starke Verbesserung bei der Merkfähigkeit.  Sehen Sie, wie es  geht:

Loci-Methode

Einer der ersten überlieferten Fundorte zu antiken Gedächtnistechniken stammt aus den 80er Jahren des 1. Jahrhunderts v. Chr.  Die „Rhetorica ad Herennium“ ist bisher die älteste, vollständig erhaltene rhetorische Prosaschrift in lateinischer Sprache.

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Der unbekannte Verfasser beschreibt darin eine Gedächtnistechnik, die er wiederum Simoneides von Keos (gestorben 468/467 v. Chr.) zuschreibt. Obwohl also aus Griechenland, erhält die Technik dadurch einen lateinischen Namen: die Loci-Methode (=die Methode der Orte). Ihr Mindestalter lässt damit auch datieren: die Loci-Methode ist bereits 2500 Jahre alt, vielleicht sogar noch älter.

Sie funktioniert so: Stellen Sie sich vor, sie möchten sich 5 Dinge in der richtigen Reihenfolge merken. Zum Beispiel die 5 wichtigsten Kanäle des Marketings: Fernsehen, Radio, Zeitungen, Internet und Postwurfsendungen.

Normalerweise würden Sie jetzt anfangen zu wiederholen, sich die Liste immer wieder aufsagen etc. – das dauert so seine Zeit. Die richtige Reihenfolge stellt ein zusätzliches Problem dar.

Mit der Loci-Methode geht es einfacher: stellen Sie sich Ihre Wohnung vor, einen Raum nach dem anderen. Es gibt einen Flur, die Küche, das Schlafzimmer, das Kinderzimmer und das Wohnzimmer. Verwandeln Sie nun die oben genannten Merkinhalte in Bilder und platzieren Sie sie geistig in den Zimmern. Im Flur steht ein riesiger Fernseher, in der Küche dröhnt laute Musik aus dem Radio usw. …

Wenn Sie anschließend im Geiste durch Ihre Wohnung laufen, dann sehen Sie die Merkinhalte vor sich und können sie sofort wiedergeben. Auf diese Art können Sie sich Informationen deutlich einfacher und schneller Merken als durch simples Wiederholen.

Die richtige Reihenfolge stellt hier keine Schwierigkeit mehr dar, denn diese haben Sie indirekt durch die Anordnung der Räume mit abgedeckt.

Sie sehen also, die Loci-Methode verhilft Ihnen dazu sich Informationen wesentlich schneller zu merken und das auch noch im geordneten Zustand. Was Sie jetzt noch nicht wissen können ist, dass Sie sich diese visuell aufbereiteten Inhalte deutlich länger merken werden als auf klassische Art. Sie unterliegen mit den antiken Gedächtniskünsten nicht mehr der Ebbinghaus-Vergessenkurve.

Der Gedächtnispalast

Zuschauer der Serie „The Mentalist“ werden den Begriff „Gedächtnispalast“ bereits gehört haben. Patrick Jane, die Hauptfigur der Serie, spricht des Öfteren davon, dass er wichtige Sachverhalte in d speichert. Auch die Leser von Thomas Harris Romanen „Das Schweigen der Lämmer“ oder „Hannibal“ habe einen ersten Eindruck davon, wie die Technik funktioniert.

Gedaechtnispalast Der Gedächtnispalast ist im Grunde nichts anderes als die Weiterentwicklung der Loci-Methode.

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Diese birgt nämlich eine große Schwäche: ihre beschränkte Kapazität. Ist die Wohnung erstmal voll mit Gegenständen, dann können keine zusätzlichen Informationen aufgenommen werden. Für die Rhetorik ist das völlig ausreichend: man merkt sich die Agenda, hält seinen Vortrag damit und vergisst die Sachen dann wieder. Beim nächsten Vortrag füllt man die Räume neu auf – ein perfektes System.

Die Lösung des Problems ist ganz einfach: man braucht so viel Raum im Kopf, wie Informationen da sind. Aus diesem Grund hat sich spätestens in der Renaissance (ab ca. 1453) die Gedächtnispalast-Methode entwickelt. Die Anwender haben damit angefangen ihr Wissen in einem immer größer werdenden Palast im Kopf zu speichern. Kommt neues Wissen dazu, dann wird einfach ein neuer Flügel angelegt und mit dem Wissen befüllt. Besonders interessant bei dieser Methode ist, dass man damit quasi seinem Bildungsstand beim Wachsen zusehen kann. Man hat einen visuellen Überblick über sein gespeichertes Wissen.

Einer der bekanntesten Anwender der Gedächtnispalast-Methode war Matteo Ricci. Er war im 16. Jahrhundert als Missionar in China unterwegs. Sein Ziel war es Zugang zum Kaiserhof zu erhalten und den Kaiser zu missionieren. Wenn dies gelänge, würde dasselbe passieren wie damals in Rom: der Kaiser macht das Christentum zur Staatsreligion und zwingt seinen Glauben dem gesamten Volk auf. Um das zu schaffen unterwies er hohe chinesische Beamte in der westlichen Gedächtniskunst und machte auch mit seinen mathematischen Kenntnissen auf sich aufmerksam.

Matteo-Ricci Sein Wissen sollte dabei als  Beweis für die Überlegenheit der westlichen Kultur dienen. Pragmatisch wie die Chinesen jedoch sind, haben sie sich gerne an Riccis Wissen bedient, die Religion jedoch links liegen gelassen. Ein Gelingen wäre auch irgendwo „unfair“ gewesen, denn Riccis Wissen und die europäische Kultur basierten auf Kenntnissen, welche schon lange vor dem Christentum bekannt waren. Nicht umsonst heißt Renaissance Wiedergeburt – sie war die Zeit, wo man die Klassiker aus dem alten Griechenland und Rom neu entdeckte.

Das Major-System

Wann genau das Major-System entstand ist nicht bekannt, auch sein Urheber ist nicht genau zu ermitteln. Wichtig zu wissen ist, dass diese Technik die Möglichkeit bietet Zahlen in Bilder umzuwandeln anhand einer Logik, die sich jederzeit wieder herstellen lässt. Jede Zahl von 0-9 bekommt dabei einen Buchstaben zugewiesen:

ZahlBuchstaben
0S; Z
1T; D
2N
3M
4R
5L
6SCH; CH
7K; G; X
8F; V; W
9P; B
A;E;I;O;Ukeine Zahl
H; Ykeine Zahl

Die wichtigste Regel ist: Vokale wie A,E,I,O,U,Ö,Ü usw. erhalten keine Zahl zugewiesen. Sie dienen dazu die Bildung von Wörtern überhaupt erst zu ermöglichen. So funktionierts:

Möchte man eine Zahl als Bild verschlüsseln, dann such man sich zunächst die Buchstaben aus der Tabelle. Zum Beispiel die 34 – das wären dann erst das M und dann das R.

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Damit kann man noch keine Wörter bilden aber wenn man nun die Lücken anfängt mit Vokalen aufzufüllen, dann klappt es: MEER wäre so ein  Wort. Das M ist die 3, die E´s haben keinen Buchstaben und das R ist die 4. Damit kann man die Zahl 34 mit einem sinnvollen Wort unverwechselbar kodieren.

Was das bringt? Stellen Sie sich vor, Sie müssen ein juristisches Prüfverfahren mit 35 Zwischenschritten in der richtigen Reihenfolge memorieren. Ohne eine solche Technik würden Sie wahrscheinlich Blut schwitzen vor Anstrengung. Mit dem Major-System jedoch können Sie jedem Schritt eine als Bild umgewandelte Zahl zuweisen und damit die Reihenfolge problemlos abdecken. So einfach kann das Leben sein 🙂

Hier finden Sie noch die Major-System Matrix für die Zahlen 0-99 zum kostenlosen DOWNLOAD als PDF.

Major-System-Matrix - Zahlen von 0-99
Major-System-Matrix – Zahlen von 0-99

 

Des  Weiteren finden Sie hier einen Major-System-Generator, mit dem Sie sich auch für sehr komplexe Zahlen ein passendes Schlüsselwort erzeugen können.

Wo kann man die Techniken lernen?
In meinen Seminaren am Bildungszentrum Nürnberg. Hier finden Sie die Termine.

Oder! Sie buchen einen individuellen Termin für sich und Ihre Mitarbeiter und ich komme zu Ihnen.

2 Gedanken zu „Gedächtniskunst“

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