Einen Job finden nach dem Studium

Die Hochschulabsolventen der letzten Dekaden können einem wirklich Leid tun. Seit dem Zusammenbruch der Internetblase im Jahr 2000 gab es lediglich ein oder zwei wirtschaftlich gute Jahre, in denen die Chancen auf einen gelungenen Berufseinstieg einigermaßen günstig für sie standen.

Zahlreiche Bewerbungsratgeber versprechen Abhilfe und zeigen den angeblich sicheren Weg zum Top-Job. Die meisten Empfehlungen sind durchaus sinnvoll, denn eine tadellose Bewerbungsmappe gehört zu den Mindestvoraussetzungen, um überhaupt eine Chance auf ein Bewerbungsgespräch zu erhalten. Außerdem lohnt es sich die wichtigsten Fallstricke zu kennen, um sich im Interview oder im Assessment-Center nicht sofort aus dem Rennen zu katapultieren.

Job / Arbeit finden nach dem Studium
Job / Arbeit finden nach dem Studium

Bewerbungstipps schön und gut, aber all das ist für viele Absolventen in Krisenzeiten nicht ausreichend. In wirtschaftlich schwachen Jahren stellen Unternehmen generell ungern ein, schöne Mappe hin oder her. Die Top-Studenten mit herausragenden Noten werden zwar nach wie vor sofort von den besten Unternehmen engagiert, für alle anderen aber sind kaum Stellen vorgesehen. Das ist im Grunde verständlich, in schwierigen Jahren stehen Bewerber ohne Berufserfahrung auf dem allerletzten Platz der Personalbedarfsliste.

Somit ist eine Einladung zum Bewerbungsgespräch eher ein seltener Glücksfall als die Regel. Selbst wenn es so weit kommt, ist die Konkurrenz meist so riesig, dass die Chance auf eine Einstellung gering ist. Und das alles trotz unzähliger Beteuerungen, jederzeit gerne unbezahlte Überstunden zu leisten oder für die Karriere selbstverständlich auf Kinder zu verzichten. Leider haben die anderen Bewerber die gleichen Versprechungen gemacht, denn das Heer der freiwilligen Selbstausbeuter ist seit einigen Jahren immer weiter gewachsen. Trotz der totalen Unterwerfung an die Erwartungen der Arbeitgeber ist es immer noch schwer für Absolventen, Arbeit zu finden.

Der Schlüssel zu einem passenden Job ist also Berufserfahrung, und diese zu erhalten ist nicht leicht. In mageren Zeiten möchte aber niemand erst in die Mitarbeiter investieren müssen, vielmehr brauchen die Unternehmen erfahrene und produktive Mitarbeiter. Absolventen bleibt da oft nur die Wahl zwischen unbezahlten Praktika oder Gelegenheitsjobs, weit abseits ihrer Qualifikation.

 

Der Einstieg über Zeitarbeit

Unternehmen lieben Zeitarbeit. Aufgrund der strengen deutschen Kündigungsschutzgesetzgebung zögern Firmen Festeinstellungen zu tätigen, insbesondere bei unerfahrenen Bewerbern. Aus diesem Grund ist Zeitarbeit ein beliebtes Mittel geworden um diese Gesetze ganz legal auszuhebeln. Zeitarbeiter lassen sich fast beliebig einstellen und wieder kündigen, so dass ein Teil des Personals in manchen Konzernen mittlerweile ganz bewusst als variabler Kostenblock gehalten wird, den man je nach Umsatzlage auf- und abbauen kann. Für Arbeitnehmer mit Berufserfahrung ist diese Form der Anstellung ein sozialer Rückschritt, für Absolventen tun sich jedoch Chancen auf. Da das Personalkostenrisiko für die Arbeitgeber wesentlich geringer ist, sind sie eher bereit auch unerfahrenen Anfängern eine Chance zu geben.

Anstatt sich der Generation Praktikum anzuschließen, sollte Zeitarbeit dringend als nennenswerte Option für den Start ins Berufsleben in Betracht gezogen werden.

Dieser Artikel zeigt Ihnen wie Sie den Einstieg finden, auf welche Probleme man stoßen kann und wie man den Übergang zu einer Festanstellung meistert.

 

Die Herrscher im Schattenarbeitsmarkt

Zeitarbeitsfirmen sind in manchen Metropolregionen ein echter Machtfaktor geworden. Sie kontrollieren einen riesigen, nahezu unsichtbaren Arbeitsmarkt und verfügen über Stellenangebote, die niemals in Jobbörsen oder in den Stellenanzeigen der Zeitung auftauchen. Die Disponenten der Jobvermittler haben sehr gute Kontakte zu den Firmen, daher sparen sich Personalabteilungen gerne die Ausgaben für ein kompliziertes Bewerbungsverfahren und schalten lediglich ihre vertrauten Personalvermittler ein. Wer sich als Arbeitssuchender nur auf die öffentlich zugänglichen Stellenanzeigen verlässt, dem entgeht mittlerweile die ganz große Mehrzahl der wirklich guten Angebote seiner Region.

Meine Empfehlung ist daher, dass Sie sich bei der Jobsuche auf alle Fälle in die Datenbanken der meisten Personalfirmen Ihrer Stadt eintragen sollten. Warten Sie nicht auf passende Anzeigen auf deren Webseiten oder in sonstigen Medien, dazu rotiert das Stellenangebot hinter den Kulissen viel zu schnell. Rufen Sie an, schicken Sie Ihre Bewerbungsunterlagen los und ab diesem Zeitpunkt arbeitet die Uhr zu Ihren Gunsten.

Bewerber werden relativ kurzfristig zu einem Vorstellungsgespräch geladen, das hat aber noch keine große Bedeutung. Die Disponenten möchten Sie lediglich kennenlernen und prüfen, ob Sie beim Kunden überhaupt präsentabel sind. Außerdem werden sie mit Ihnen gemeinsam ausloten, was Sie sich vorgestellt haben, sowohl finanziell, als auch arbeitstechnisch.

Das ist die richtige Zeit, um die Tipps der Bewerbungsratgeber umzusetzen. Nur wer in diesen Gesprächen nicht in Fettnäpfchen tritt und durch einigermaßen gute Kommunikationsfähigkeit glänzt, wird als Kandidat vorgeschlagen. Die Zeitarbeitsfirmen konkurrieren untereinander um die zu besetzenden Stellen und schicken nur Kandidaten ins Rennen, von denen Sie sicher sind, dass dieser sie beim Kunden nicht blamieren wird.

 

Vermittlung oder Zeitarbeit

Eine der wichtigsten Fragen, die ein Disponent stellen wird, ist, ob Sie die Vermittlung in eine Festanstellung anstreben oder mit Zeitarbeit zufrieden sind. Beide Optionen abzudecken wird nicht immer erlaubt, denn wer beim Kunden als Zeitarbeiter tätig ist, wird nicht wieder abgezogen sobald eine passende Festanstellung bei einem anderen Kunden vorhanden ist. Die Prioritäten sind was das angeht ganz klar abgesteckt und die Interessen der Arbeitnehmer sind der unbedeutendste Teil davon.

Für Berufserfahrene ist die Festanstellung eher von Vorteil, als Absolvent sollte man sich jedoch nicht auf diese Schiene begeben. Der Grund dafür ist, dass bei einer Vermittlung der Arbeitgeber der Zeitarbeitsfirma eine hohe Vermittlungsgebühr zahlen muss, die sich bei ca. 20-30% eines Jahresgehaltes bewegt. Da es unerfahrene Absolventen wie Sand am Meer gibt, wird sich wohl kaum eine Firma finden, die bereit ist unter solchen Konditionen einen Anfänger anzuwerben. Die Chancen stehen daher wesentlich günstiger per Zeitarbeit engagiert zu werden.

Wenn Sie sich dennoch beide Optionen offen halten möchten, sollten Sie folgendermaßen vorgehen. Bewerben Sie sich beispielsweise bei zehn Personalfirmen. Bei fünf von diesen sagen Sie dann, dass Sie eine Festanstellung suchen und bei den anderen fünf zeigen Sie ausschließlich Interesse an Zeitarbeit. Bewerbung nach dem Schrotflintenprinzip kann sich hier durchaus bezahlt machen.

 

Traumjob-Light

Ein Nachteil der Zeitarbeit ist, dass die zu besetzenden Positionen häufig nicht im hochqualifizierten Bereich angesiedelt sind. Oft bekommt man dadurch nur eine „Light-Version“ der angestrebten Tätigkeit angeboten. Wer zum Beispiel eine Karriere im Marketing anstrebt, der wird sich möglicherweise nur als Assistent in einer Marketingabteilung wiederfinden. Wer dagegen im Controlling arbeiten möchte, der wird vermutlich in der Buchhaltung beschäftigt werden.

Sehr wichtig dabei ist jedenfalls, dass Sie in dem Bereich unterkommen, der zu Ihrem späteren Interessengebiet passt, denn dadurch können Sie genau die Erfahrungen sammeln, die bei späteren Bewerbungen als einschlägig akzeptiert werden.

Was das Gehalt betrifft muss man lernen Abstriche zu machen, auch wenn es weh tut. Die Konzerne drücken die Preise gerne mit allen Regeln der Kunst ins Bodenlose und die Personalfirmen wollen auch noch ihren Teil vom Kuchen. All das wird natürlich ungefiltert an die Mitarbeiter weitergegeben.

Zudem ist man als Hochschulabsolvent normalerweise für die Tätigkeiten überqualifiziert, so dass man seine Gehaltsvorstellungen generell nach unten anpassen muss.

Selbst wenn das Beispiel mit der Qualifikation nicht zutrifft, die schwarzen Schafe der Branche nutzen einen Trick um die Kostenschraube dennoch anzuziehen. Es ist ein äußerst schmutziges Geschäft, bei dem Konzerne und Personalfirmen meist Hand in Hand arbeiten. Das System funktioniert folgendermaßen. Der Auftraggeber fordert zum Beispiel eine einfache Aushilfe für eine leichte kaufmännische Tätigkeit an. Die Personalfirma entsendet einen jungen Akademiker, bezahlt aber nur den Tarif für Aushilfen, da die Stellenbeschreibung entsprechend gestaltet ist. Die Tätigkeit entpuppt sich dann jedoch als weit komplexer als ursprünglich gefordert, und es werden Kenntnisse vorausgesetzt, die man nur mit einem Studium erwerben kann. Von einer tarifgerechten Gahaltsanpassung will jedoch niemand etwas wissen und wer sich beschwert, wird gleich wieder entlassen.

Das heißt, es ist ganz egal wie man es dreht und wendet. Als Absolvent wird man mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit Einsätze erhalten, bei dem das Gehalt der Tätigkeit kaum gerecht wird. Das ist für die Betroffenen oft sehr belastend, aber man sollte es positiv sehen. Es ist immer noch bei weitem besser als unbezahlte Praktika zu absolvieren oder lange Zeit arbeitslos zu sein. Das Gute ist, dass jede Minute, die Sie arbeiten, als Berufserfahrung gilt. Über die Bezahlung sollte man lieber nicht mehr weiter nachdenken.

 

Den Absprung schaffen

Aufgrund der finanziellen Gegebenheiten sollte Zeitarbeit nach dem Studium meiner Meinung nach nur über einen begrenzten Zeitraum ausgeübt werden. Das Ziel bleibt weiterhin eine Festanstellung und das, wenn möglich, innerhalb von 6-18 Monaten. Um nun einen gelungenen Absprung zu schaffen gibt es folgende Möglichkeiten.

Als erstes sollte man die Jobsuche nicht aufgeben, wenn man eine Stelle als Zeitarbeiter antritt. Mit einem festen Gehalt im Rücken haben Sie eine hervorragende Basis für weitere Bewerbungen, und sobald sich etwas Passendes findet, kann man schnell und einfach wechseln.

Eine weitere Option ist es, eine bestimmte Zeit gezielt abzuwarten und sich dann erst wieder auf Jobsuche zu begeben. Hat man nämlich eine gute Stelle ergattert, bei der man viel lernen kann, ist es sinnvoll einige Zeit dort zu verbringen. Mit der einschlägigen Erfahrung als Wettbewerbsvorteil, haben Sie danach hervorragende Chancen auf eine Festanstellung. Wie lange Sie auf den Wechsel warten ist immer Abwägungssache. Zwölf Monate zum Beispiel sehen gut aus in der Bewerbungsmappe, denn bei diesem Zeitraum weiß ein Personaler, dass ein Kandidat Zeit hatte sich ernsthaft in eine Stelle einzuarbeiten. Dem gegenüber steht, wie erwähnt, der finanzielle Aspekt, aber das muss jeder individuell entscheiden.

 

Der ewige Traum von der Übernahme

Die dritte Variante, die Übernahme durch den Kunden zum Festangestellten, ist der Idealfall. Der Weg dorthin kann jedoch voller Tücken sein.

Normalerweise, wenn man als Zeitarbeitskraft entsandt wird, stellen die Auftraggeber eine Übernahme in Aussicht, immer gute Leistungen vorausgesetzt.

Das kann natürlich stimmen, dient aber auch dazu, die unterbezahlten Zeitarbeitnehmer zu motivieren, obwohl von vornherein schon feststeht, dass es nie zu einer Anstellung kommen wird. Um den Arbeitseifer aufrechtzuerhalten wird dennoch immer wieder bewusst die Hoffnung auf den lang ersehnten Festvertrag genährt.

Daher empfiehlt es sich die Versprechungen von Anfang an nicht vollkommen ernst zu nehmen und nicht darauf zu vertrauen garantiert übernommen zu werden, auch wenn die Arbeitsleistung stimmt. Vorteilhafter ist es, einfach nur sein Bestes zu geben, ohne sich bis zur Belastungsgrenze zu verausgaben. Zudem sollten Sie sich ein Zeitlimit setzen, bis zu dem Sie bereit sind auf die Festanstellung zu warten. Findet bis zu diesem Zeitpunkt keine Übernahme statt ist es besser zu wechseln. Spätestens dann könnte es passieren, dass doch noch ein Angebot kommt. Nämlich dann wenn der Arbeitgeber merkt, dass er einen wertvollen Mitarbeiter verliert, wenn er Sie gehen lässt. Und wenn nicht, dann haben Sie einschlägige Erfahrung gesammelt, um sich für eine Stelle zu bewerben, die zu Ihren Qualifikationen passt.

 

Fazit

Zeitarbeit eignet sich sehr gut für Hochschulabsolventen als Berufseinstieg um erste Erfahrung zu sammeln.

Der Einsatz sollte nicht länger als ein oder zwei Jahre dauern, da die finanziellen Konditionen im Gegensatz zu einer Festanstellung zu schlecht sind.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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