Wie funktioniert Geldwäsche? – einfach erklärt

Las-Vegas-Mafia-Geldwäsche

Geldwäsche ist, wenn man illegal erworbene Einnahmen nachträglich so aussehen lassen möchte, also ob sie aus legalen Quellen gekommen wären. Das ist die Voraussetzung dafür, um das Geld in der normalen Wirtschaft weiter verwenden zu können. Der Begriff entstand in den 20-er / 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts. Der Gangster Al Capone praktizierte diese Methode mit Hilfe von zahlreichen Waschsalons als legale Fassade für seine kriminellen Aktivitäten.

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Warum betreiben Menschen überhaupt Geldwäsche?

Als Gangster, Verbrecher oder Mafiosi etc. hat man immer das „Problem“, dass man Geld verdient, das man eigentlich gar nicht haben dürfte. Wenn das Geschäft gut läuft, dann kann das sogar sehr viel sein. Je mehr es ist, desto schwieriger wird es jedoch, wenn man es ausgeben möchte – sei es für den Konsum, oder als Investition.

Wer keiner geregelten, legalen Tätigkeit nachgeht, der zahlt normalerweise keine Steuern, keine Krankenversicherung und keine Sozialbeiträge usw. Wer dann aber ein fettes Auto oder eine teure Immobilie kauft, der muss KFZ-Steuern entrichten und Grunderwerbssteuer zahlen. Die Finanzbehörden haben mittlerweile (teil)automatische Prüfungsmechanismen, die solche Daten abgleichen. Wenn das passiert, dann schrillen sofort die Alarmglocken. Ganz plötzlich meldet sich das Finanzamt und stellt sehr unangenehme Fragen, wie:

  • Woher haben Sie das Geld für ein so teures Auto, wenn Sie in den letzten Jahren keine Steuern gezahlt haben?
  • Wie können Sie sich eine solche Immobilie leisten, wenn Sie offiziell arbeitslos sind?

Normalerweise hat man in solchen Fällen so gut wie verloren. Große Beträge lassen sich im Nachhinein nicht mehr so einfach verschleiern. Die Tatsache, dass man Geld hat ist durch den Kauf bereits bewiesen. Woher es kommt ist dann fast schon egal. Da man es offensichtlich nicht versteuert hat, wird man sehr wahrscheinlich wegen Steuerhinterziehung bestraft.

Genau das ist der kritische Punkt: Gangster machen sich mit ihren Aktivitäten immer zweier Verbrechen gleichzeitig schuldig:

  1. Wegen der Illegalität ihrer Geschäfte
  2. Wegen Steuerhinterziehung, weil sie die Einnahmen nicht versteuern

Das ist vielen nicht klar, aber das Finanzamt möchte auch bei illegal erwirtschaftetem Geld seinen Anteil vom Kuchen haben, sonst klicken die Handschellen. Die Einkommenssteuer soll ihrem Zwecke nach Vermögensmehrungen der Bürger erfassen. Darunter fallen eben auch illegale Einkünfte.

Ich erinnere mich noch daran, wie im BWL-Studium unser Professor gesagt hat, dass man das als Verbrecher sogar vermeiden könnte, indem man seine illegalen Einnahmen bei der Steuererklärung mit angibt. Das klingt wie ein Witz, aber es geht tatsächlich, denn laut Steuergeheimnis darf der Finanzbeamte nicht die Polizei benachrichtigen. So entgeht man zumindest einer möglichen Bestrafung seitens des Finanzamtes. Ein kleiner Autoschieber wäre wohl „fein“ raus.

Dies gilt aber nicht, wenn die Gefahr für die Öffentlichkeit zu groß ist. Dann geht das öffentliche Interesse vor dem Steuergeheimnis. Wer sein Geld zum Beispiel als Auftragsmörder verdient, der fällt nicht mehr unter diesen Schutz, weil dabei Menschen sterben. In so einem schwerwiegenden Fall müsste der Beamte die Polizei dann doch informieren, weil ein „…zwingendes öffentliches Interesse besteht…“

Für organisierte Verbrecherbanden wie die Mafia oder die Triaden, usw. ist dieses Problem gravierender als für einen kleinen Autodieb. Dort geht es um Millionen oder auch Milliarden, deren Herkunft verschleiert werden muss. Ziel der Banden ist es, das Geld „sauber“ zu bekommen, um es dann in den legalen Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Dort schafft man sich damit legale Einkommensquellen, die den Profit der Organisation noch weiter steigern. Das können Immobilien sein, die eine satte Mietrendite abwerfen.

Es heißt zum Beispiel, dass die italienische Mafia nach der Wende massiv in den neuen Bundesländern Immobilien erworben hat. Es können aber auch ganz normale Firmen sein, die einem Geschäft nachgehen, wie jedes andere auch. Hat man das geschafft, dann kann man das Geld auch ausgeben und sich davon kaufen, was man möchte.

Das sind also die zwei ganz großen Probleme von Menschen, deren Existenz auf illegalen Aktivitäten basiert:

Sie werden von der Polizei und vom Finanzamt gleichzeitig gejagt.

So war es zum Beispiel bei Al Capone auch. Er hat Millionen verdient mit Alkoholschmuggel, Prostitution, Schutzgelderpressung. Er hat einige, wenige Morde selbst begangen und mehrere in Auftrag gegeben. Darunter den an Frankie Yale, Hymie Weiss oder das berüchtigte Valentinstagsmassaker. Zudem standen viele weitere Delikte auf der Liste. Nichts davon konnte ihm die Polizei nachweisen. Im Gefängnis ist er nur gelandet, weil es ein paar penible Finanzbeamte gab, die ihn wegen ein paar Hunderttausend Dollar hinterzogener Steuern erwischt haben. So endete die Karriere eines der größten Gangster aller Zeiten wegen einer kleinen, buchhalterischen Unaufmerksamkeit. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum Steuerhinterziehung fast genauso hart bestraft werden kann, wie ein Gewaltverbrechen. Man beachte, dass die Höchststrafe für Steuerhinterziehung 5 Jahre, in besonders schweren Fällen bis zu 10 Jahren gehen kann. Das gleiche Höchstmaß gilt auch für gefährliche Körperverletzung.

Der Staat wollte sich so möglicherweise die Option offen halten die schlimmsten Gangster wenigstens für ihre Steuervergehen hart bestrafen zu können, wenn er sie schon wegen ihrer wahren Verbrechen nicht drankriegt. Vielleicht ist ihm aber auch einfach nur Geld wichtiger, als die Gesundheit der Bürger 🙂

Daher lautet die oberste Überlebensregel für Verbrecher:

„Wenn Du dich mit der Polizei anlegst, OK. Aber lege dich niemals mit dem Finanzamt an.“

 

Wie funktioniert Geldwäsche?

Bei Geldwäsche geht es meist darum, dass man bereits Geld illegal verdient hat. Dieses liegt dann schon irgendwo herum. Nun muss man nachträglich einen Beweis dafür konstruieren, dass es aus einer legalen Quelle gekommen ist. Als einfache Möglichkeiten für solche Konstrukte haben sich Geschäfte erwiesen, wo das Finanzamt nicht nachvollziehen kann, ob der Umsatz zum eingesetzten Verbrauch an Ressourcen passt. Wie ist das gemeint?

Wenn man behauptet, dass man dieses Geld mit einer Bratwurstbude verdient hat, dann fragen die Leute vom Finanzamt sofort nach den Quittungen vom Metzger, wo das Fleisch angeblich gekauft wurde. Und sie fragen natürlich auch, woher denn das Geld für das viele Fleisch überhaupt her ist usw. Diese Methode wäre demnach keine gute Ausrede, denn sie ist leicht zu durchschauen. Und das liegt eben an diesem Zusammenhang zwischen dem Umsatz und dem Verbrauch an Produktionsmitteln.

Daher haben sich Methoden bewährt, bei denen es solche keine solchen Zusammenhänge gibt. Al Capone zum Beispiel hat hierfür seine berühmten Waschsalons ins Leben gerufen. Daher stammt auch der Begriff „Geldwäsche“. In seine Salons kamen Leute, die tatsächlich nur ihre Wäsche waschen wollten. Capones Läden waren billiger als die der Konkurrenz, denn er musste kein Schutzgeld zahlen, welches man dann über den Preis an die Kunden weitergeben muss. Solche Gewinne nimmt man natürlich auch gerne mit.

Es kamen aber auch Leute, die von Capone eigens dafür bezahlt wurden die Waschmaschinen mit Geld zu füttern und sie laufen zu lassen. Das Geld, das sie dort einwarfen, das waren die Einnahmen aus den illegalen Aktivitäten. Das Resultat war, dass Capone dem Finanzamt weismachen konnte, dass er in diesen Salons irrsinnige Umsätze und Gewinne erzielte. Selbst wenn man die Stromrechnung mit dem Umsatz abglich, dann fand man nichts auffälliges, denn die Maschinen liefen ja rund um die Uhr. Ob wegen schmutziger Wäsche, das konnte keiner wissen. Auf dem Papier sah demnach alles gut aus. Es entstanden zwar auch einige Kosten durch die Angestellten, so dass von 100 Dollar wahrscheinlich nur 90-95 Dollar „sauber“ wurden. Aber das ist immer noch eine gute Quote. Diese Gewinne konnte Capone nun beruhigt auf sein Bankkonto legen, es nach Belieben ausgeben oder in legale Geschäfte reinvestieren.

Als die Mafia in den 20er/30er Jahren immer reicher wurde, stieg auch der Bedarf an weiteren Möglichkeiten zur Geldwäsche. Es handelte sich um so hohe Beträge, dass ein paar Waschsalons und ähnliche Fassaden nicht mehr ausreichten. Man kam auf die Idee, dass das Glücksspiel eine gute Lösung sein könnte.

Erstens kann man mit Glücksspiel an sich schon sehr viel verdienen. Und mit dem Ende der Prohibition (1920-1933) mussten gerade eh neue Geldquellen erschlossen werden.

Zweitens: es ist eine optimale Gelegenheit Geld zu waschen. Ein Roulette- oder Blackjack-Tisch kann 1-20 Leute gleichzeitig bedienen. Es verbraucht keinerlei Ressourcen, niemand kann verlässlich prüfen wie viel Umsatz ein Tisch macht. Und wenn man es versucht, dann kann man Leute dafür bezahlen, dass sie den ganzen Tag im Casino sitzen und das Geld verzocken. Ein solcher Fall war übrigens auch Teil einer Folge bei Person of Interest.

Genauso die Einnahmen am Münzspielautomat. Die konnte zu der Zeit auch niemand ernsthaft überprüfen. Casinos waren die optimale Chance Geld zu machen und gleichzeitig Phantasieumsätze auszuweisen, die kein Finanzamt der Welt nachvollziehen konnte.

Glücksspiel war und ist in den meisten US-Bundesstaaten illegal. Allerdings gab es kleinere, unbedeutende Regionen, in denen es erlaubt war. Ein solcher Bundesstaat war zum Beispiel Nevada. 1931 wurde dort das Glücksspiel legalisiert. Anfang der 1940er kam jedoch der Gangster Benjamin „Bugsy“ Siegel auf die Idee dort Casinos aus dem Boden zu stampfen. Hierfür bot sich das kleine, unbedeutende Wüstenstädtchen Las Vegas an. Es liegt nahe an der Grenze zu Kalifornien und ist per Bahn und Auto gut zu erreichen.

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Las Vegas: nahe an Los Angeles. Optimal um Zocker anzulocken.

Somit hatten die Bürger der Metropole Los Angeles die Chance schnell über die Grenze zu fahren und dem Laster zu frönen. Man glaubt es kaum, aber Las Vegas gibt es nur, weil die Mafia Geld waschen musste, und weil das Ende der Prohibition neue Verdienstmöglichkeiten notwendig machte.

 

Methoden der Geldwäsche

Auch heute noch sind Spielhallen bevorzugte Orte, an denen Geld gewaschen wird. Ich kenne in meiner Heimatstadt zahlreiche Spielkasinos, in denen ich noch nie einen Menschen rein oder rausgehen gesehen habe. Dennoch sind sie fast immer geöffnet und existieren über Jahre. Wie ist das möglich?

Ich vermute stark, dass einige nur Fassaden für andere Geschäfte der Besitzer sind. Die Automaten von heute enthalten Zähler, die den korrekten Umsatz eines Gerätes anzeigen sollen. Diese Zähler bringen jedoch nichts, wenn der Kasinobetreiber ein oder zwei Hartz-IV-ler dafür bezahlt sich den ganzen Tag reinzusetzen, die Geräte zu füttern und so viel Geld wie möglich zu verlieren. Im Gegenteil, sie können sogar als Beweis herangezogen werden dafür, dass man den Umsatz gemacht hat, den man vorgibt gemacht zu haben. Genau darum geht es ja schließlich. Als Geldwäscher versucht man den Umsatz hochzulügen.

Je mehr Geld im Automat, umso mehr illegales Geld kann man gegenüber dem Finanzamt als legal ausweisen. Diese Praxis ist den Finanzbehörden durchaus bewusst, ist aber schwer zu beweisen. Außerdem verdient der Staat gut daran und lässt sie stillschweigend gewähren. Würden sie sie stilllegen, dann suchen sich die Verbrecher andere Möglichkeiten und der Staat fürchtet, dass sie dort möglicherweise keine Steuereinnahmen mehr erzielen.

Eine andere Möglichkeit sind zum Beispiel Scheinrechnungen mit legalen Firmen. Diese wird allerdings von international operierenden Organisationen verwendet. Man gründet zum Beispiel ein Unternehmen, welches einfache Elektroteile oder Plastikteile herstellt. Diese liefert es dann in Länder wie Mexiko, Burma, Kolumbien usw. Die Kunden dort bezahlen dann die Ware und das Geld kommt damit nach Deutschland und gilt als „sauber“ erworben. Woher jedoch das Geld kam, das lässt sich hier nicht nachprüfen. In solchen Ländern sind die Behörden total korrupt oder arbeiten gar nicht mit den deutschen Finanzbehörden zusammen. Somit ist das Geld hier in Sicherheit und kann legal reinvestiert werden.

Dann gibt es noch die Methode der Scheinfirmen. Durch die sogenannten Panama-Papers kamen sie vor kurzem wieder ins Gespräch. Kriminelle gründen hierbei Briefkastenfirmen in Ländern, die einem strengen Bankgeheimnis unterliegen und die nicht mit den hiesigen Behörden zusammenarbeiten. Dort kann man illegale Gelder einfach auf ein Konto einzahlen, denn niemand fragt nach der Herkunft. Dann überweist die Scheinfirma das Geld hierher, zum Beispiel als Bezahlung für „Dienstleistungen“, die eigentlich nie erbracht wurden. Auch so gilt das Geld hier als legal verdient und steht den Eigentümern zur Verfügung.

 

Haftungsausschluss

Dieser Text soll dazu dienen das Thema Geldwäsche auf wissenschaftliche Art verständlich zu machen. Er soll nicht als Anleitung dazu dienen.

In dem Text gibt es Passagen mit juristischer Relevanz. Ich betone, dass alle Angaben ohne Gewähr zu sehen sind. Sie sind weder als Rechtsberatung, Steuerberatung oder Finanzberatung zu sehen, sondern spiegeln lediglich die subjektiven Erkenntnisse und Meinugnen des Autors wieder.

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Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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