Arbeitslosigkeit – Ursachen und Folgen

Das Leben von Politikern dreht sich im Wesentlichen um drei Zahlen: Bruttoinlandsprodukt, Inflation und Arbeitslosigkeit. Sind sie in Ordnung, ist das Volk glücklich und die Widerwahl nicht in Gefahr. In diesem Beitrag beschäftige ich mich daher mit einer der drei Größen: Arbeitslosigkeit. Es wird geklärt warum sie als Indikator so wichtig ist, welche unterschiedliche Formen der Arbeitslosigkeit es gibt und welche Konsequenzen sie für ein Land haben kann.

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Formen der Arbeitslosigkeit

Beginnen wir mit einer Übersicht, die Begriffe werden später geklärt.

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Formen-der-Arbeitslosigkeit
Formen der Arbeitslosigkeit – man unterscheidet saisonale Arbeitslosigkeit, konjunkturelle Arbeitslosigkeit und friktionelle Arbeitslosigkeit

Es gibt unterschiedliche Arten der Arbeitslosigkeit. Einige haben mit der aktuellen Wirtschaftslage zu tun und lassen die Zahlen heftig schwanken. Andere haben damit zu tun, dass der Arbeitsmarkt durch gesetzliche Regelungen flexibel oder träge gemacht wird. Diese Faktoren sorgen dafür, dass es einen steten Bestand an Arbeitslosen gibt, der in guten und schlechten Jahren immer ähnlich hoch ist. Ziel einer jeden Wirtschaft ist es diese Menge dauerhaft zu reduzieren. Dann gibt es noch die saisonalen Schwankungen, deren Bedeutung eher gering ist. In jeder Jahreszeit gibt es Branchen die Leute entlassen und sie dann wieder einstellen. Auch diese Arbeitslosen sind natürlich kein Grund zur Freude, allerdings geben sie nur selten einen Hinweis auf langfristige Trends.

Man unterteilt daher die Arbeitslosigkeit im Wesentlichen in drei Kategorien: Konjunkturell bedingte Arbeitslosigkeit, Sockelarbeitslosigkeit und saisonale Arbeitslosigkeit.

Unterteilung Sockelarbeitslosigkeit
Unterteilung Sockelarbeitslosigkeit: friktionelle Arbeitslosigkeit, strukturelle Arbeitslosigkeit, „Unvermittelbare“

Da die Sockelarbeitslosigkeit ebenfalls stark unterschiedliche Ursachen haben kann, unterteilt man auch sie meist in zwei oder drei Unterkategorien: friktionelle Arbeitslosigkeit, strukturelle Arbeitslosigkeit. Dann gibt es noch eine Kategorie, die in keinem Lehrbuch vorkommt. Dennoch existiert in der Gesellschaft eine Gruppe von Menschen, von denen jeder weiß, dass sie so gut wie keine Chance haben Arbeit zu finden. Diese fasse ich unter dem Begriff die „Unvermittelbaren“ zusammen.

 

Konjunkturell bedingte Arbeitslosigkeit – Boom & Rezession

Ein wichtiger Treiber bei der Schwankung der Arbeitslosenquote ist die konjunkturelle Lage eines Landes. Meistens werden solche Phasen von sich selbst verstärkenden Spiraleffekten getragen. Ende der 1990er Jahre war so eine Hoch-Phase. Es entstanden einige völlig neue Branchen, die zu einem riesigen Wirtschaftsboom beitrugen. Das Internet wurde zu einem Ort, wo man plötzlich gutes Geld verdienen konnte. Also bildete sich aus dem Nichts eine ganze Industrie um das relativ neue Medium herum. Amazon, Ebay, Yahoo und Google sind die großen Pioniere genau dieser Zeit. Es wurden auf einen Schlag viele Arbeitsplätze geschaffen. Menschen kamen zu Geld und das geben sie dann auch aus. Plötzlich wurden mehr Autos und Fernseher gekauft, so dass auch diese Industrien zusätzliche Menschen einstellen wollten. Steigendes Einkommen aus einem Sektor vermehrt den eines anderen und immer so weiter. In solchen Zeiten sinken die Arbeitslosenahlen meist auf ein sehr niedriges Niveau.

Das genaue Gegenteil passierte nach dem Platzen der Internetblase. Viele Internetfirmen gingen Pleite, die Leute verloren ihr Einkommen, die Firmen mussten nun bei ihren Lieferanten sparen, die gaben es an ihre Lieferanten weiter – es wurde immer mehr Geld aus dem Umlauf gezogen. Und so drehte sich die Spirale unaufhaltsam in die andere Richtung.

Steigende oder sinkende Zahlen liefern demnach wichtige Informationen darüber, wie sich ein Land wirtschaftlich gerade entwickelt. Sie zeigen auf, ob irgendwelche akuten Maßnahmen ergriffen werden müssen um die Wirtschaft nicht zusammenbrechen zu lassen oder um die Konjunktur nicht zu überhitzen.

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Beim Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 reagierte die Regierung schnell und führte bei den Unternehmen Kurzarbeit ein. Das war auf jeden Fall besser als Massenentlassungen, denn diese hätten die Staatskasse noch mehr ruiniert. Des Weiteren wurde eine Abwrackprämie für alte Autos eingeführt, um die Verkäufe in der Fahrzeugindustrie anzukurbeln. Ob es diese Maßnahmen waren, die das Schlimmste verhindert haben, lässt sich in einer komplexen Volkswirtschaft nicht zu 100% nachweisen. Festzuhalten ist jedoch, dass Deutschland die Krise sehr gut verkraftet hat.

 

Saisonale Arbeitslosigkeit

Bei klirrender Kälte auf der Baustelle zu rackern macht wenig Sinn. Aus diesem Grund stellen zum Beispiel viele Baufirmen im Winter die Arbeit ein und schicken die Arbeiter nach Hause. Für die Skilehrer dagegen beginnt eine stressige Zeit. Jede Jahreszeit kann sich in positiver oder negativer Form auf eine Berufsgruppe auswirken. So etwas nennt man saisonale Arbeitslosigkeit. Es bilden sich im Laufe der Jahre Erfahrungswerte für die Jahreszeiten heraus. Zum Beispiel: vom November zum Dezember steigt die Arbeitslosigkeit immer um ca. X-Prozent an. Vom Juli zum August um Y-Prozent usw. Mit Hilfe solcher Erfahrungswerte rechnet man die saisonalen Effekte aus der Statistik heraus. Es soll nur die Zahl übrig bleiben, die auf echte Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt hinweist. Kurzfristige Effekte, die sich von alleine wieder beheben, verzerren sonst das Gesamtbild.

 

Sockelarbeitslosigkeit

Egal wie gut die Konjunktur gerade läuft, es wird kaum jemals in einem größeren Land der Welt zu einer Arbeitslosigkeit von null Prozent kommen. Im Vatikanstaat ist so etwas vielleicht möglich, weil sämtliche Einwohner für die Kirche arbeiten. In Deutschland ist diese Quote aber nicht realisierbar, denn es wird immer jemand das sein, der gerade seine Stelle verliert und eine neue sucht. Daher kommt auch der Name „Sockelarbeitslosigkeit“. Sockelarbeitslosigkeit ist normal und keine Bedrohung für die Gesellschaft, wenn sie in einem gewissen Rahmen bleibt. Wichtig ist, dass die Menge dieser Leute möglichst niedrig ist und dass sie nicht aus den immer gleichen besteht, sondern durchmischt. Ihre Entstehung folgende Ursachen haben:

 

Friktionelle Arbeitslosigkeit

Friktionelle Arbeitslosigkeit entsteht, wenn jemand von einem Arbeitsplatz zu einem anderen wechselt und dazwischen eine zeitliche Unterbrechung vorhanden ist.

Eine andere Möglichkeit ist, wenn jemand seine Ausbildung oder sein Studium beendet und damit erstmals in die Statistik der Arbeitssuchenden aufgenommen wird. Nach dem Studium ist es nicht unüblich, dass die Absolventen einige Monate auf Stellensuche sind. Während dieser Zeit müssen sie sich in Deutschland als Arbeitssuchende registrieren und erhöhen die Arbeitslosenquote. Üblicherweise dauert dieser Zustand aber nur einige Monate an.

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Unternehmen entlassen gelegentlich Mitarbeiter. Diese müssen sich einen neuen Job suchen. Auch dabei kann es zu unterschiedlich langen Suchphasen kommen. Der Fachkräftemangel führt dazu, dass für manche Berufsgruppen eine hohe Nachfrage entsteht. Ein Informatiker oder ein Ingenieur für Elektrotechnik hat gute Chancen schnell etwas Neues zu finden. Ein studierter Ägyptologe, der weiter in seinem Beruf arbeiten will, der hat nicht so viele Unternehmen zur Auswahl. Je nach Berufsgruppe und Qualifikation gibt es daher einen anderen Durchschnittswert.

Kündigungen kann es auch von der Arbeitnehmerseite geben. In vielen Fällen haben die Leute schon eine Stelle als Ersatz und werden gar nicht erst arbeitslos. Manchmal kündigen sie aber auch, weil sie aufgrund von privaten Umständen den Wohnort wechseln oder ähnliches. Auch so kann es zu einer kurzfristigen Unterbrechung kommen.

Ein weiterer Einflussfaktor ist, dass nicht jeder Arbeitssuchende die erstbeste Stelle annimmt. Das muss kein Nachteil sein, denn für das BIP ist es besser, wenn der Mikrobiologe die Stelle an der Kinokasse nicht annimmt, weil er sich sicher ist, kurze Zeit später als Wissenschaftler arbeiten zu können und das Dreifache zu verdienen.

Für friktionelle Arbeitslosigkeit rechnet man mit einer Quote von ungefähr 2% bis 3% für ein Land. Das bedeutet, wenn die Quote bei 2% bis 3% liegt, dann geht man von Vollbeschäftigung aus. Kaum eine Maßnahme der Regierung wird sie dann noch drastisch verbessern können.

Man sagt, dass die friktionelle Arbeitslosigkeit in den Ländern niedriger ist, wo die Arbeitnehmer nur wenige Rechte besitzen und die Regierung eine angebotsorientierte Politik fährt. Die Hire-and-Fire-Mentalität in den USA führt zum Beispiel dazu, dass die Firmen leichter einen Mitarbeiter einstellen als in Deutschland. Wenn ihre Leistung nicht ausreicht, dann kann man sie dort schnell wieder kündigen. In Deutschland wird man vermeintliche Minderleister nicht so einfach wieder los. Daher zieren sich hiesige Firmen eher jemanden fest einzustellen. Dieser Unterschied kann dazu beitragen, dass Arbeitssuchende in den USA im Schnitt 3 Monate einen Job suchen, in Deutschland dagegen 6 Monate. Die Auswirkung auf die Quote ist jedoch nicht so bedeutend wie die Auswirkungen von Boom oder Rezession. Zu sehen ist das im direkten Vergleich der beiden Länder seit 1980.

Arbeitslosenquote Deutschland vs. USA 1980-2014
Arbeitslosenquote Deutschland vs. USA 1980-2014 (Kopieren und Verbreiten erlaubt – gegen Backlink)

So viel schlechter ist die deutsche Arbeitslosenquote nicht. Die USA liegen zwar meist vorne, aber Deutschland hatte 1990 den Sondereffekt, dass 2 Millionen Arbeitslose aus den neuen Bundesländern auf einen Schlag hinzukamen. Sieht man sich dagegen die Jahre der Finanzkrise ab 2007 an, dann sieht man deutlich, dass Deutschland wesentlich besser dasteht. Ein liberaler Arbeitsmarkt reicht nicht dafür aus, um die friktionelle Arbeitslosigkeit zu beseitigen.

Ein Grund für den deutschen Erfolg könnte die wachsende Bedeutung der Zeitarbeit sein. Diese Methode wird gerne eingesetzt um den hiesigen, strengen Kündigungsschutz zu umgehen. Die erhöhte Flexibilität am Arbeitsmarkt hatte jedoch meist niedrigere Löhne und schlechtere Konditionen für die Angestellten zur Folge. Oft erledigen Zeitarbeiter die gleiche Arbeit für weniger Geld als Festangestellte. Arbeitgeber halten dagegen, dass es besser ist einen schlecht bezahlten Job zu haben als gar keinen.

 

Strukturelle Arbeitslosigkeit

Firmen kommen und gehen. Eine geht Pleite, eine neue wird gegründet. Der Arbeitsmarkt ist immer im Wandel. Leider ist es so, dass die Qualifikation der Menschen nicht immer schnell genug mit dem Wandel mithalten kann. Wenn eine Textilfabrik geschlossen wird und auf der anderen Straßenseite macht eine Softwarefirma auf, dann können die Arbeiter nicht einfach rübergehen und dort weitermachen. Sie haben nicht die erforderliche Ausbildung für die Tätigkeit. Das ist der Grund, warum es so viele offene Stellen gibt und warum Firmen über Mangel an Fachkräften jammern, während auf der anderen Seite Millionen eine Arbeit suchen.

Festzustellen ist, dass in Deutschland der klassische Fließbandarbeiter aus der Produktion zu einer untergehenden Spezies gehört. Gleichzeitig erfreuen sich hochqualifizierte Berufe, insbesondere im technischen Bereich, einer regen Nachfrage. Leider ist es nicht so einfach aus einem Fließbandarbeiter einen Ingenieur zu machen, daher ist das ein Faktor, wo nur das Bildungssystem langfristig einen Hebel ansetzen kann.

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Manche Berufe und Gewerbe hatten in Deutschland starre Eintrittsbarrieren. Zum Beispiel war bis 2004 für das Eröffnen eines Friseursalons ein Meisterbrief erforderlich. Gleiches galt für den Geigenbauer, den Fliesenleger und viele andere Handwerksberufe. Im Rahmen einer Arbeitsmarktliberalisierung hat die damalige Regierung solche Zwänge abgeschafft. Derartige Reformen haben durchaus das Potenzial die Arbeitslosigkeit abzubauen. Zum Beispiel hätte ein arbeitsloser Fliesenleger mit 55 Jahren kaum noch die Chance eine Stelle zu finden. Seit der Reform kann er seine Dienste ohne Meistertitel als Einzelunternehmer anbieten und sich Aufträge ergattern. Für viele Handwerksbetriebe erwuchs dadurch natürlich billige Konkurrenz. Viele klagten, dass sich ihre ehemaligen Mitarbeiter selbständig machen, ein Überangebot schaffen, die Marktpreise und die Qualität ruinieren. Man hat die Antwort auf diese Frage dem Markt überlassen. Wer als Handwerker keine Qualität liefert, der wird nicht weiterempfohlen. Qualität und Preis könnten also doch noch zueinander finden.

Andere Berufe unterliegen weiterhin einer Eintrittsbarriere. Ohne entsprechende Ausbildung und Zulassung kann man nicht einfach so als Rechtsanwalt, Steuerberater oder als Arzt tätig werden. Und ich glaube, in diesen Berufen ist das auch ganz gut so.

 

Die „Unvermittelbaren“

Auch wenn es ungerecht ist, die Realität ist leider so, dass man ab 50 oder 55 Jahren so gut wie keine Anstellung mehr findet auf dem Arbeitsmarkt. Vielleicht über Zeitarbeit, aber in diesem Alter scheuen sich die Firmen Menschen fest einzustellen. Die Gründe sind vielfältig: Zum einen geht man davon aus, dass ältere Menschen öfter krank werden. Von Gesetzeswegen haben sie einen höheren Urlaubsanspruch. Bei harter, körperlicher Arbeit traut man ihnen nur eine geringere Leistungsfähigkeit zu als den jüngeren. Oft unterstellt man ihnen auch technisch nicht auf dem neuesten Stand zu sein. Außerdem investiert man nur ungern in die Fortbildung von Mitarbeitern, von denen man weiß, dass sie in einigen Jahren in Rente gehen werden. Vermutlich gibt es noch jede Menge anderer Gründe. Festzuhalten ist, dass in Deutschland im Jahr 2012 ungefähr 1/5 aller Arbeitslosen über 55 Jahren gewesen sind. Der Bestand von ca. 500.000 betroffenen Personen hält sich in den letzten 10 Jahren relativ konstant, unabhängig davon, wie sich die Konjunktur entwickelt.

Alter und Arbeitslosigkeit
Alter und Arbeitslosigkeit: viele Bürger über 55 Jahren finden keine Arbeit mehr. Es ensteht ein „Sockel“ von ca. 500.000 Arbeitslosen, der sich kaum verändert. (Kopieren und verbreiten erlaubt – bei Backlink)

Einen weiteren Teil des Sockels bilden die vielen Hartz-4-Bezieher. Ende 2014 lebten in Deutschland 2,79 Millionen Menschen, die seit 4 oder mehr Jahren auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. In diese Gruppe fallen auch viele der oben genannten 50-65 Jährigen, man kann die Zahlen nicht einfach addieren! Schwerpunkte in der Statistik bilden vor allem die wirtschaftlich schwachen Regionen im Osten des Landes.

Es finden sich zudem allgemein sehr viele Alleinerziehende in diesem Segment. Ungefähr 40% aller Alleinerziehenden in Deutschland beziehen Hartz 4. Als Ursache werden oft mangelnde Betreuungsmöglichkeiten genannt. Zudem würden viele Arbeitgeber eine alleinstehende Frau mit drei Kindern gar nicht erst einstellen, weil sie vermuten, dass sie ständig wegen deren Krankheiten fehlen würde. Auch das mindert die Chance darauf, sich aus der Situation freizukämpfen.

All diese Gruppen bilden einen Teil der Gesamtarbeitslosen, deren Beschäftigungschancen relativ schlecht sind, unabhängig von der aktuellen Konjunktur.

 

Folgen von Arbeitslosigkeit

Viele Menschen erleben Arbeitslosigkeit und Jobverlust als persönliche Tragödie. Sie kann das Selbstwertgefühl negativ beeinflussen und schwere, seelische Belastungen verursachen. Bei lang anhaltender Arbeitslosigkeit können sich daraus Depressionen entwickeln. Die Folgekosten sind für die Gesellschaft beträchtlich.

Finanzielle Probleme in Familien sind einer der häufigsten Gründe für eine Scheidung. Arbeitslosigkeit kann ein Auslöser sein. Es handelt sich also um ein Problem mit vielen Gesichtern, das man nicht nur als eine trockene Zahl sehen kann, die von der Bundesagentur für Arbeit jeden Monat berechnet wird. Wenn man die Perspektive auf Einzelschicksale richtet, dann ist das Thema ein knallhartes, soziales Gift mit weitreichenden Nebenwirkungen.

Junge Menschen haben oft noch Unsinn im Kopf. Viele werden erst durch die Arbeit zur Vernunft geleitet. Sie müssen pünktlich sein, sich ordentlich anziehen und diszipliniert benehmen. Ich habe nicht selten total zerzauste Chaoten gesehen, die ein paar Jahre später mit Anzug und Krawatte Geschäftsverhandlungen führen. In Staaten wie Spanien und Griechenland, wo nach der Finanzkrise zeitweise eine Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50% erreicht wurde, entstehen „verlorene“ Generationen. Es bildet sich ein Heer an jungen Menschen heran, denen diese Kompetenzen fehlen werden. Des Weiteren fehlt ihnen die Arbeitserfahrung. Zunehmende Arbeitserfahrung steigert im Idealfall persönliche Lernkurve eines Angestellten. Wer aber mit 28 oder 30 Jahren noch kaum gearbeitet hat, der ist nicht viel effizienter als ein Anfänger. Auf diese Weise kann die Produktivität einer gesamten Volkswirtschaft nachhaltig leiden.

Der Verlust von Arbeitsplätzen kann ganze Landstriche in den Abgrund ziehen. Vor allem in kleineren Gemeinden bildet sich meist eine eng verwobene Struktur um die wenigen Arbeitgeber herum. Wenn einer davon in die Insolvenz geht, dann verlieren viele Bürger ihr Einkommen. Die Folge ist, dass weniger Geld für Konsum vor Ort ausgegeben werden kann. Der Einzelhandel, die Gastronomie, die Handwerker – sie alle werden dadurch Umsatzeinbrüche erleiden. Manchmal bricht der Immobilienmarkt zusammen, weil Bewohner wegziehen. Dadurch erleiden viele Hausbesitzer Verluste beim Verkauf. Und so setzt sich der Kreislauf fort. In den USA ist die Stadt Detroit das Musterbeispiel für einen solchen Verfall. Früher was sie das Herz der amerikanischen Autoindustrie, heute ein halb leerstehende Geisterstadt. In Kalifornien dagegen haben sich viele IT-Unternehmen angesiedelt und ziehen Leute aus dem ganzen Land an, um dort zu arbeiten. Dort kommt es zu rasanten Steigerungen der Mieten und Lebenshaltungskosten. So unterschiedlich kann die Situation aussehen, obwohl es sich um das gleiche Land handelt.

Jeder Arbeitslose belastet den Staatshaushalt „doppelt“. Angenommen ein Angestellter zahlt in 2015 monatlich 1.000 Euro in die Arbeitslosenversicherung ein (stark vereinfacht). Wenn er 2016 seinen Job verliert, dann zahlt der Staat ihm ein Arbeitslosengeld von 1000 Euro. Der Staatshaushalt erwirtschaftet anstatt eines Plus von 1.000 Euro ein Minus von -1.000 Euro. Das ist eine Verschlechterung um 2.000 Euro zum Vorjahr. Zu entgangenen Beiträgen, kommen also noch zusätzliche Kosten hinzu. Da Arbeitslosigkeit und Rezession meist in direkter Verbindung stehen, verschärft das die Probleme eines Landes zusätzlich. Durch die Rezession brechen allgemein Steuereinnahmen weg und die Staaten geraten ins Strudeln. Hinzu kommen dann die vielen Arbeitslosen, die nun versorgt werden müssen. Wenn kein Geld da ist, ist es schwierig die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Meist müssen Kredite her, die dann die Staatsschulden erhöhen. Solche Konstellationen haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass die meisten Industrieländer so unglaublich hoch verschuldet sind.

In Deutschland führte die Ölkrise im Jahr 1973 zu einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit. Ungefähr zu der der Zeit begannen die Regierungen damit jedes Problem über Kredite zu lösen. Diese Mentalität hat sich seither nicht geändert. Der nächste Schock kam nach der deutschen Einheit 1990. Die Treuhand privatisierte die Staatsunternehmen der DDR und hat es fertiggebracht binnen kurzer Zeit 2 Millionen zusätzliche Arbeitslose zu generieren. All das wurde durch Kredite finanziert. Selbst im großen Boom 2006 war die Regierung unfähig einen Überschuss zu erwirtschaften, den anderen EU-Ländern erging es ähnlich. Probleme wurden mit Krediten weggekauft. So ist es kein Wunder, dass jetzt viele Staaten vor dem Abgrund stehen.

Wirtschaftliche Probleme und hohe Arbeitslosigkeit führen gelegentlich zu politischen Unruhen. Sie können bei Wahlen zu Stimmengewinnen der radikalen Parteien beitragen. So war zum Beispiel die Wirtschaftskrise 1929 mit dafür verantwortlich, dass in Deutschland die Nationalsozialisten die Macht ergreifen konnten. Im Jahr der Machtergreifung 1933 war die Arbeitslosigkeit bereits wieder stark am Sinken, 1934 war es noch viel besser.

Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik
Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik: Die Folgen der Weltwirtschafskrise waren 1933 schon am abklingen. (Kopieren und Verbreiten erlaubt – bei Backlink)

Hätte die demokratische Regierung noch ein Jahr durchgehalten, dann wäre die NSDAP vermutlich wieder in der Bedeutungslosigkeit versunken. So jedoch konnten sie die wirtschaftliche Erholung des Landes als ihren eigenen Erfolg ausgeben.

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Links

Wenn Sie noch mehr über die Formen und die Zusammensetzung der Arbeitslosigkeit lesen möchten, dann empfehle ich die Seite des Bundesamtes für Statistik.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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