Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenquote in 2014 – Länder im Vergleich

In diesem Beitrag habe ich die Statistiken für Arbeitslosigkeit bzw. für die Arbeitslosenquote einiger Länder zusammengefasst. Enthalten sind die Zahlen seit 1980 bis 2014 für Deutschland, USA, Spanien, Griechenland, Großbritannien und Frankreich. Am Ende findet sich ein Vergleichsdiagramm für alle genannten Länder.

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Arbeitslosigkeit in Deutschland 1980-2014

Deutschland ist eines der wenigen Länder, denen die Finanzkrise im Jahr 2007 scheinbar nichts anhaben konnte. Hier macht sich bemerkbar, dass wir in einem exportorientierten Land leben, in dem die Finanzindustrie und die Banken nicht so dominant sind, wie zum Beispiel in England oder den USA.

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Arbeitslosigkeit-Deutschland von 1980 bis2014
Arbeitslosigkeit-Deutschland von 1980 bis 2014 (CC BY-SA 3.0 DE)

Allerdings sollte man beachten, dass sich die Zusammensetzung der Statistik immer wieder ändert. So kommt es dazu, dass 800.000 Menschen nicht in die Statistik eingehen, weil sie einen 1-Euro-Job haben, oder weil man sie in Fortbildungen zwischengeparkt hat.

 

Arbeitslosigkeit USA 1980-2014

Hire-and-Fire, angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, minimale Rechte für Arbeitnehmer, wenig Urlaub – so ungefähr lässt sich der amerikanische Arbeitsmarkt zusammenfassen. Wenn man bedenkt, wie stolz sie darauf sind, dann muss man sich nur wundern. Die Quote ist meist niedriger als in Deutschland, aber so massiv viel besser ist sie nun wieder nicht. Daran kann man gut sehen, dass sich Arbeitslosigkeit nicht durch den Raubbau an Arbeitnehmerrechten vermeiden lässt.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die gesellschaftliche Situation. Fast 1% (es sind ca. 0,7%) der Gesellschaft sitzen im Gefängnis, das sind um die 2,3 Millionen Menschen. Diese meist nur gering qualifizierten fallen aus der Statistik. Wären sie enthalten, dann sähen die Zahlen etwas anders aus.

Hinzu kommen die 1,1 Millionen Bürger, die für die Armee tätig sind. Davon ist ungefähr die Hälfte im aktiven Dienst. Viele von ihnen gelten nicht gerade als geistige Elite des Landes. Ohne dieses Auffangbecken für Geringqualifizierte wäre die Zahle vermutlich nochmal um ein paar Hunderttausend schlechter.

Arbeitslosigkeit-USA-1980-2014
Arbeitslosigkeit-USA-1980-2014 (CC BY-SA 3.0 DE)

Beachtlich ist jedoch, dass sich die USA von Krisen erholen können. Das spricht dafür, dass die Wirtschaft an sich schon sehr anpassungsfähig ist. Wenn in einem Bereich Jobs wegbrechen, dann wachsen dafür andere Branchen. Somit konnte der Schock der Finanzkrise mittlerweile wieder relativ gut überwunden werden.

Hieran kann man sehen, dass die vereinigten Staaten in ihrer Wirtschaftsstruktur breit gestreut sind. Von Landwirtschaft bis zu modernster Hightech ist alles vertreten. Zudem sind die größten Internetfirmen wie Facebook, Google und Amazon usw. hier beheimatet. Milliardenkonzerne, die einen Großteil ihres Geschäftes im Internet machen, ohne wirliche Produktion zu betreiben. Das ist ein Arbeitsmarkt, der in Deutschland zum Beispiel keine so große Rolle spielt, zumindest nicht in der Größenordnung.

Das ist wohl der Hauptunterschied zu Ländern wie Spanien und Griechenland, deren Arbeitslosenquote sich seit 2007 ca. verdreifacht hat und immer noch bei ca. 25% liegt. Dazu später mehr.

 

Arbeitslosigkeit Griechenland 1980-2014

Griechenland ist typisch für Länder, in denen eine Krise  den Arbeitsmarkt nachhaltig zerstören kann. 17% der Bürger des Landes sind mehr oder weniger von der Tourismusbranche abhängig. Wenn aufgrund einer Krise die Urlauber ausbleiben, dann mündet das sofort in einer Katastrophe.

Arbeitslosigkeit-Griechenland-1980-2014
Arbeitslosigkeit-Griechenland-1980-2014 (CC BY-SA 3.0 DE)

Eine weitere Ursache ist, dass ca. ein Viertel der Bürger in unproduktiven Staatsbetrieben angestellt waren, deren Aufgabe es oft war sich gegenseitig selbst zu verwalten. Massive Einsparungen in diesem Bereich waren eine der Voraussatzungen, die dem Land seitens der Geldgeber auferlegt wurden. Dadurch ist der inländische Konsum massiv eingebrochen, was die Abwärtsspirale weiter beschleunigt hat.

Die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt hat zu gestiegener Auswanderung und einem Exodus an Fachkräften geführt. Dadurch wird die Situation statistisch etwas verschönert, der Preis wird jedoch in der Zukunft hoch sein.

 

Arbeitslosigkeit Spanien 1980-2014

Auch die Spanier sind ein gutes Beispiel für einen sehr einseitig geprägten Arbeitsmarkt. Arbeitslosenquoten von um die 10% haben in Spanien ohnehin schon Tradition. Selbst im Boom 2006 lag sie bei ca. 8% – in anderen Ländern wäre das eine Katastrophe. In Spanien hatte sich vor der Finanzkrise der Bankensektor aufgebläht. Dies geschah im direkten Zusammenhang mit einem spekulativen Bauboom. Es wurden Häuser gebaut in der Hoffnung, dass dort irgendwann Leute einziehen werden. Nach dem Platzen der Blase fielen ca. 4 Millionen Stellen im Baugewerbe weg. Die leerstehenden Bauten wurden zu Geisterstädten und verloren an Wert. Die Kredite hinter den Immobilien drohten zu platzen und den Bankensektor in den Ruin zu ziehen.

Arbeitslosigkeit-Spanien-1980-2014
Arbeitslosigkeit-Spanien-1980-2014 (CC BY-SA 3.0 DE)

Des Weiteren spielt der Tourismus eine wichtige Rolle. Auch dieser Sektor ist sehr krisenanfällig, denn in wirtschaftlich schlechten Zeiten bleiben viele Gäste weg.

Solche einseitig geprägten Arbeitsmärkte sind der Grund, dass sich manche Länder nur schlecht von Krisen erholen können. Einfach, weil es keinen anderen Sektor gibt, der die Verluste ausgleichen könnte.

 

Arbeitslosigkeit Frankreich 1980-2014

Auch an Frankreich ist die Finanzkrise nicht unbemerkt vorbei gegangen. Allerdings sind die Auswirkungen nicht so gravierend wie in Spanien oder Griechenland, da Frankreich, wie die meisten Länder der G7, wirtschaftlich breit gefächert ist. Zahlen zwischen 8-10% haben dort auch Tradition.

Arbeitslosigkeit-Frankreich-1980-2014
Arbeitslosigkeit-Frankreich-1980-2014 (CC BY-SA 3.0 DE)

Frankreich ist ein Land der großen Konzerne und neigt gerne zu zentralistischem Denken. Man fördert die Großen und kümmert sich nicht so um die kleinen Firmen. Es heißt, ein Grund für die Arbeitslosigkeit könnte genau dieser fehlende, exportorientierte Mittelstand sein, wie er in Deutschland so ausgeprägt ist. Schwächelt in Deutschland die Wirtschaft, dann können diese Firmen das oft durch Geschäfte in Asien, Südamerika und anderen Regionen ausgleichen. In Frankreich fehlt diese Option.

 

Arbeitslosigkeit Großbritannien 1980-2014

In den letzten 30 Jahren ist London zum wichtigsten Finanzplatz der Welt aufgestiegen. Der Bankensektor wurde durch die verschiedenen Regierungen seit der Ära Thatcher sehr gefördert. Dieser Umbruch begann in den 1980er Jahren. Damals war UK der „kranke Mann“ Europas. Es kam so weit, dass sogar das Bruttoinlandsprodukt der DDR größer war. Bis 2007 hat sich die Wirtschaft grundlegend neu strukturiert und seit den 90er Jahren ein Niveau unter 6% stabilisiert.

Arbeitslosigkeit-UK-1980-2014
Arbeitslosigkeit-UK-1980-2014 (CC BY-SA 3.0 DE)

Die Finanzkrise war natürlich ein herber Schlag für ein Land, in dem der Bankensektor so viele Jobs beherbergt. Dennoch war die Auswirkung nicht so eine Katastrophe, wie in vielen anderen Ländern. In 2014 hat die Arbeitslosigkeit wieder ein Niveau erreicht, das fast schon als normal durch geht. An solchen Zahlen erkennt man die Stärke einer Wirtschaft und Großbritannien scheint gut mit Krisen zurechtzukommen.

 

Auswirkung der Finanzkrise auf die Arbeitslosigkeit

Hier eine Grafik, die die Auswirkung der Finanzkrise auf die Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Ländern hatte. Es wird der Zeitraum vom Boomjahr 2006 mit 2014 verglichen.

Arbeitslosigkeit-2006-2014
Arbeitslosigkeit-2006-2014 (CC BY-SA 3.0 DE)

Wie man sieht, haben sich die Länder mit einem stark diversifiziertem Arbeitsmarkt gut gehalten, bzw. die Effekte der Finanzkrise haben sich fast wieder ausgeglichen. Deutschland konnte in dieser Zeit sogar einen Rückgang um 50% verbuchen.
Zu leiden haben nach wie vor Länder wie Griechenland, in denen einige Teile des Arbeitsmarktes künstlich aufgeblasen wurden. Solche Entwicklungen können ein Land mit einem Schlag wieder an den Rand des Ruins katapultieren.

Unter diesem Aspekt habe ich auch Irland aufgenommen. Irland war auch eines dieser Länder, in denen sich um eine heftige Immobilienblase herum eine stattliche Finanzblase im Bankensektor gewachsen ist – beide sind geplatzt.

Bis 2014 konnte sich der Arbeitsmarkt davon nicht erholen, die Arbeitslosenquote ist immer noch mehr als doppelt so hoch wie in 2006.

 

Vergleich: USA vs. Deutschland 1980-2014

Und als letztes, hier noch speziell der langfristige Vergleich zwischen den beiden Ländern USA und Deutschland. Die Grafik zeigt die Arbeitslosenqute beider Staaten seit 1980 bis 2014 im direkten Vergleich:

Arbeitslosenquote Deutschland vs. USA 1980-2014
Arbeitslosenquote Deutschland vs. USA 1980-2014 (CC BY-SA 3.0 DE)

Normalerweise liegen die USA unter dem deutschen Niveau mit ihren Zahlen. Allerdings muss man bedenken, dass sich in Deutschland im Jahr 1990 die neuen Bundesländer angeschlossen haben. Zuerst gab es einen kleinen Nach-Wende-Boom, der dadurch ausgelöst wurde, dass die Bürger der ehemaligen DDR all den Konsum nachholen konnten, den sie in den Jahren zuvor so sehr herbeigesehnt hatten.

Kurze Zeit später jedoch begann die Treuhandanstalt mit den Entlassungen in den ehemaligen Staatsbetrieben der DDR, die nun privatisiert wurden. Dadurch wurden binnen kurzer Zeit ca. 2 Millionen Arbeitslose auf den Markt geschwemmt. Mittlerweile hat sich der Arbeitsmarkt davon erholt, viele von diesen DDR-Arbeitslosen sind nun in Rente und fallen aus der Statistik. Zudem hat sich die Wirtschaft, trotz Finanzkrise gut entwickelt.

Ohne diesen belastenden Effekt, könnte man sagen, dass sich die Zahlen nicht so gravierend von einanander Unterscheiden. Daher scheint sich für mich die Theorie nicht zu bestätigen, dass Länder mit ausgeprägten Arbeitnehmerrechten schlechter abschneiden als Länder mit Hire-and-Fire-Mentalität. Die Wirtschaft fordert zwar gerne mehr „Flexibilität“ auf dem Arbeitsmarkt, diese scheint aber auch kein Allheilmittel zu sein, wenn plötzlich eine Krise ausbricht, die viele Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Faktoren wie: innovative Unternehmen, Produktivitätsgewinne durch Forschung und Entwicklung und gut ausgebildetes Personal scheint mir viel wichtiger zu sein.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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