Was Mimik über die Schwere einer Erkrankung sagt

Kann man anhand der Mimik eines Notfallpatienten einen Herzinfarkt, eine Lungenembolie oder Lungenkrebs voraussehen? Das klingt erstmal genauso seriös wie die Irisdiagnose auf der Esoterikmesse. Aber eine Studie der Universität in Indianapolis (Indiana, USA) zeigte interessante Ergebnisse. In einer Notaufnahme hat man die mimischen Ausdrücke von Patienten untersucht und es ergab sich ein Zusammenhang zur Schwere der Erkrankung.

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Je größer die Gefahr, desto weniger reagiert die Mimik
Die Untersuchung verlief so: man testete anhand von 50 Patienten einer Notaufnahme, die wegen derselben Symptome klagten: Atemnot oder Schmerzen in der Brust. Ihnen wurden mit einem Notebook 3 verschiedene Bilder als Stimulus vorgeführt. Diese Bilder sollten ÜBERRASCHUNG, FREUDE oder SKEPSIS/ABLEHNUNG auslösen.

Lächeln Ueberraschung Skepsis
3-FREUDE 5-SURPRISE FACS-Emotion-WUT
Freude; leicht an den hochgezogenen Mundwinkeln zu erkennen Die Augenbrauen werden hoch gezogen. Die Stirn ist durchgaengig gerunzelt. Die Augenbrauen werden ueber der Nase zusammengezogen. Deutet eigentlich auf Wut hin; tritt aber auch bei Gefuehlen der Skepsis und Ablehnung auf.

Anhand der Vorgaben des FACS-Systems (von Paul Ekman entwickelt) wurde dann beurteilt, wie stark die Veränderung der Mimik ausfällt.[aartikel]3827425689:left[/aartikel] Diese Beobachtung wurde von 2 voneinander unabhängigen FACS-Experten durchgeführt, um die Reliabilität zusätzlich zu erhöhen.

Die lebensbedrohlichen Krankheiten Lungenembolie, Herzinfarkt und Lungenkrebs wurden in die Kategorie DISEASE+ eingeteilt. Ungefährliche Krankheiten wurden mit DISEASE- klassifiziert. Nach 14 Tagen, als die Diagnosen feststanden, hat man nachträglich ausgewertet, welcher Patient welcher Gruppe zugehörte. Das heißt, man hat die Mimik zuerst analysiert und dann geschaut, ob sie sich mit den Diagnosen der Ärzte decken.

Ein Schnelltest für gefährdete Patienten?
Es zeigte sich: von den getesteten 50 Patienten waren 8 (16%) in einer lebensbedrohlichen Situation. Bei diesen 8 Patienten aus der Gruppe DISEASE+ stellte man fest, dass ihre Mimik deutlich weniger auf die Stimuli reagiert. Die FACS-Experten ermittelten das mit einer Übereinstimmung von 92%. Das sind nahezu identische Zahlen.

Der Median-Wert der DISEASE+ Patienten lag bei Testbild 1 (LÄCHELN) zum Beispiel bei 3,4. Der von Gruppe DISEASE- lag dagegen bei 7,0. Diese Werte sagen dem Laien nicht viel, aber beim FACS ist das ein Ausdruck dafür, dass es doch deutliche Unterschiede gibt bei der Expression von Gefühlen.

Den größten Unterschied erzielten die Testbilder, mit denen man ÜBERRASCHUNG auslöste. Offenbar ist diese Emotion der beste Indikator, der auf eine bedrohliche Krankheit hinweisen kann. Die Forscher arbeiten nun daran mit diesen Erkenntnissen eine wissenschaftlich fundierte Schnellmethode zu entwickeln. Diese könnte in Krankenhäusern dabei helfen, Patienten mit akuten Herz-Lungenkrankheiten viel eher zu identifizieren, so dass man ihnen noch besser helfen kann.

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Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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