NLP: Lügen erkennen anhand der Augenbewegungen funktioniert nicht

Eine der bekanntesten Techniken des NLP ist die Methode der Augenzugangshinweise. Es geht darum, an der Blickrichtung eines Menschen zu erkennen, ob dieser gerade in Phantasien oder in echten Erinnerungen „schwelgt“. Zudem kann man unterscheiden, ob es Bilder sind oder Dialoge, die gerade im Kopf ablaufen.

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Klingt ungewöhnlich? Ist etwas erklärungsbedürftig, aber als ich sie selber ausprobiert habe, hat die Technik zu einem gewissen Grad funktioniert. Eins jedoch vorneweg: zum erkennen von Lügen ist sie nicht geeignet, und das wurde wissenschaftlich nachgewiesen.

 

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So funktionieren die Augenzugangshinweise
Ich habe einmal am NLP-Grundlagenseminar an der VHS in Nürnberg teilgenommen. Ein Teil davon war die Methode mit der Analyse der Augenbewegungen. Uns wurde vorher nichts dazu gesagt. Wir sollten lediglich unserem Gegenüber ein paar Fragen stellen und schauen, was dieser macht. Fragen wie diese:

  1. Wenn du dein Wohnzimmer nach Belieben einrichten könntest, wie würde es dann aussehen?
  2. Wie sah es in deinem Klassenraum in der Grundschule aus?
  3. Wenn ein Glas auf den Boden fällt und zerbricht, wie würde sich das anhören?
  4. Wie geht dieses Lieder weiter: „… oh Tannenbaum, oh….“?
  5. Wenn du jetzt ein Kätzchen streicheln würdest, wie würde sich sein Fell anfühlen?
  6. Bitte wäge innerlich die Vor- und Nachteile von Kreditkarten ab.

Es war tatsächlich so, wie es die NLP-ler es voraussagen: bei jeder der Fragen hat mein Übungspartner in eine andere Richtung geschaut.

Grundsätzlich war es im gesamten Kurs so, dass bei Fragen zur Phantasie und Imagination nach rechts geschaut wurde. Wenn es um Erinnerungen ging, dann wurde nach links (aus der Perspektive des anderen, nicht unserer) geschaut. Ging es um visuelle Vorstellungen, dann war es rechts oben, bei imaginären Geräuschen rechts mittig usw.

Hier eine Übersicht zu den Augenbewegungen:

NLP-Augenbewegungen-Lügen-erkennenBILD: NLP-Augenzuganshinweise. Die Blickrichtung zeigt an, wo die Gedanken sind. Rechts ist die Phantasieseite, links sind eher „Fakten“.

Grundsätzlich würde ich sagen: Ja, irgendwas ist schon dran. Für eine einzelne Frage kann man sehen, ob sich der Gegenüber mit seinen Gedanken in der Phantasie oder in Erinnerungen bewegt. Man könnte auch sagen: in der Welt der Emotionen oder der Welt der Fakten.

Die Technik wird gerne von Verkäufern dazu verwendet, um sich auf den Gegenüber besser einstellen zu können. Ihn dort „abzuholen“, wo er gerade ist. Zu analysieren, ob man mit den eigenen  Worten schöne Bilder liefern soll – „Stellen Sie sich vor, wie mächtig sie in dem Auto aussehen werden.“ – oder ob rationale Gründe die Verkaufsentscheidung beeinflussen – „Sie sparen 30%, das ist unschlagbar“. Man könnte fast schon von Manipulation reden, aber was für den einen böse Manipulation ist, das ist für den anderen Empathie und Einfühlungsvermögen. Muss jeder für sich entscheiden 🙂

Augenbewegungen und Lügen
Jetzt gibt es NLP-ler, die sogar so weit gehen und sagen, man könne mit der Technik Lügen durchschauen. Dies soll gelingen, indem man schaut, ob der Gegenüber sich die Antworten auf Fragen ausdenkt, oder ob er echte Erlebnisse abruft.

Wissenschaftler von der Uni Edinburgh haben die Methode untersucht und das Ergebnis war:

Sie funktioniert nicht!

Lange Rede kurzer Sinn, man kann keine Lügen damit erkennen. Es ließ sich schlicht und ergreifend kein Zusammenhang zwischen Lügen und Augenbewegungen nachweisen Punkt und aus.

Mehr zum Thema „Lügen erkennen lernen“ finden Sie auf meiner Hauptseite zum Thema. Dort stelle ich Methoden vor, mit denen man deutlich mehr erreichen kann.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

2 Gedanken zu „NLP: Lügen erkennen anhand der Augenbewegungen funktioniert nicht“

  1. Moin Herr Kovacs

    Fand Ihren Beitrag sehr hilfreich, nur ist ihr Bild -> NLP Augenzugangshinweis<- falsch beschriftet. In der Mitte ist zweimal rechts aufgeführt. Auch könnte man diskutieren ob , wenn sie rechts unten sagen, ihr Standpunkt oder der des Gegenüber gemeint ist.

    1. Danke für den Hinweis. Das mit der Perspektive ist so gedacht, dass immer die vom Gegenüber maßgebend ist. Wenn es heißt „rechts unten“, dann aus seiner Sicht rechts unten.

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