Die deutschen Autobauer BMW-Daimler-VW im Vergleich

Eines meiner Hobbies ist es Kennzahlen von Unternehmen miteinander zu vergleichen, die auf einem ähnlichen Geschäftsgebiet arbeiten. Mit Hilfe von Diagrammen und langfristigen Statistiken lassen sich so manchmal interessante Erkenntnisse gewinnen. Diesmal habe ich mir die deutschen Autobauer genauer angesehen. Sie kann man relativ gut vergleichen, denn die Produktpallette ist in hohem Maße ähnlich. Herausgekommen ist die Erkenntnis, dass alle Firmen ihre Stärken und Schwächen haben, in Summe ist aber jede von ihnen effizient und gut aufgestellt.

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Umsatz von BMW-Daimler-VW in den Jahren 2007 bis 2013
Wie man sieht, ist VW der größte Autobauer Deutschlands. Aus meiner Umsatzstatistik geht zudem hervor, dass VW generell der umsatzstärkste Konzern des gesamten DAX ist. Die Entwicklung von 2007-2013 ist wirklich beeindruckend. Im Jahr 2007 lag VW noch relativ gleichauf mit dem Daimler-Konzern. Seitdem haben sie ihren Umsatz um 81% gesteigert und die Konkurrenz damit weit hinter sich gelassen.

Umsatz-BMW-Daimler-VW-2007-2013BILD: Umsatz von BMW, Daimler und VW in den Jahren von 2007-2013

In Summe konnten alle Autobauer ordentlich zulegen. BMW steigerte seinen Umsatz im gleichen Zeitraum um 36% und Daimler um 19%.

Beim Umsatz sollte man erwähnen, dass einige der Konzerne mittlerweile eigene Banken und weitere Geschäftszweige aufgebaut haben. Mit diesen Produkten erzielen sie zusätzliche Umsätze, die nicht direkt aus der Herstellung und dem Verkauf von Autos stammen. Diese erschweren später noch das Interpretieren von Zahlen.

Umsatzrendite von BMW-Daimler-VW in den Jahren 2007 bis 2013

Aus den gewaltigen Gewinn-Sprüngen bei VW in 2011 und 2012 wird man nicht auf den ersten Blick schlau. Dafür müsste man sich viel mehr Details zur Geschäftsentwicklung ansehen. Dort könnten irgendwelche Sondereffekte im Spiel sein. In den Jahren ohne die großen Ausreiser, da sieht die Marge der Autobauer relativ ähnlich aus.

Gewinn-BMW-Daimler-VW-2007-2013BILD: Gewinn nach Steuern von BMW, Daimler und VW in den Jahren von 2007-2013

Umsatzrendite-BMW-Daimler-VW-2007-2013BILD: Umsatzrendite von BMW, Daimler und VW in den Jahren von 2007-2013

Halten wir einfach fest, dass VW meist besser dasteht als die anderen beiden. Und Daimler steht meist besser da als BMW.

Ohne feste Beweise in der Hand zu halten, würde ich jetzt darauf tippen, dass bei VW aufgrund der schieren Größe eine bessere Fixkostendegression der Grund sein könnte. VW unterhält viele Marken, bei denen die Fahrzeuge recht ähnlich sind. Dadurch wird es möglich baugleiche Elemente in den unterschiedlichen Fahrzeugen einzusetzen. Die Entwicklungskosten für einen neuen Motor o.ä. verteilen sich somit auf viel mehr Fahrzeuge. Dies führt natürlich zu immensen Einsparungen.

Bei der Umsatzrendite wiederum wechselt das Bild von Jahr zu Jahr. Lässt man die Jahre 2011 und 2012 außer Acht, dann kann man getrost sagen, dass alle Konzerne gute Arbeit leisten, denn die Unterschiede sind nicht sonderlich gewaltig.

Umsatz pro Mitarbeiter von BMW-Daimler-VW in den Jahren 2007 bis 2013

Interessant ist der Blick auf die Kennzahlen, die mit den Mitarbeitern zusammenhängen. VW ist ein echter Titan. 573.000 Mitarbeiter in 2013 sind einfach gigantisch. VW hat damit ca. fünfmal mehr Mitarbeiter als BMW.

Anzahl-Mitarbeiter-BMW-Daimler-VW-2007-2013BILD: Anzahl der Mitarbeiter bei BMW, Daimler und VW in den Jahren von 2007-2013

Pro-Kopf-Umsatz-BMW-Daimler-VW-2007-2013BILD: Umsatz pro Mitarbeiter bei BMW, Daimler und VW in den Jahren von 2007-2013

Vergleicht man den Umsatz pro Mitarbeiter, dann sieht das Bild ganz anders aus. Hier ist BMW der Spitzenreiter. Man könnte jetzt meinen, sie sind viel produktiver in ihrer Arbeit als die anderen Firmen. Doch man muss diese Zahlen mit Vorsicht genießen. Sie erinnern sich, die Umsatzrenditen liegen nahe beieinander. Von einer überlegenen Effizienz bei BMW kann nicht die Rede sein.

Ein Grund für den gravierenden Unterschied kann zum Beispiel die Quote an Eigenherstellung und Fremdbeschaffung sein. Wenn BMW seine Bauteile von externen Zulieferern fertigen lässt und am Ende nur noch alles zusammenschraubt, dann braucht man dafür natürlich viel weniger Mitarbeiter. Man bezahlt dafür bei den Materialkosten wesentlich mehr. Wenn VW dagegen viele Teile lieber selber herstellt anstatt sie zu kaufen, dann wirkt sich das auch hier aus.

Ein anderer Einflussfaktor ist der Standort, wo diese Mitarbeiter angesiedelt sind. In China kann es sein, dass 8 Leute die Arbeit von einem Deutschen erledigen und es ist immer noch billiger. Auch das bläht die Statistik auf, die Rendite wird jedoch verbessert.

Ich denke eine Mischung aus beiden Gründen wird diese Unterschiede bewirken. Sicher kann man davon ausgehen, dass in allen drei Unternehmen viele intelligente Leute sitzen, die die Effizienz permanent optimieren, so dass nirgendwo die Leute faul rumsitzen und Däumchen drehen. Alle drei Firmen sind garantiert perfekt in ihren Abläufen durchorganisiert, da habe ich keinerlei Zweifel.

Fragen Sie sich jetzt, ob es sein kann, dass ein deutscher Arbeiter so produktiv ist wie 8 Chinesen? Das kann tatsächlich so sein, denn viele Firmen in Europa verlegen ihre veralteten, abgeschriebenen Maschinen nach China, wo die Arbeitskräfte billiger sind. Dort kann man die alten Produktionsmittel noch immer rentabel einsetzen, weil die Löhne so niedrig sind. Die Chinesen sind also weder faul noch unproduktiv. Es liegt hauptsächlich an den Maschinen, die man dort einsetzt.

Absatz an Fahrzeugen von BMW-Daimler-VW in den Jahren 2007 bis 2013

Was den Absatz an Fahrzeugen angeht ist VW wieder ganz vorne. Mit 9,73 Millionen Fahrzeugen konkurriert der Konzern mit Toyota und GM um die Krone als größter Autohersteller der Welt.

Absatz-Fahrzeuge-BMW-Daimler-VW-2007-2013BILD: Absatz an Fahrzeugen bei BMW, Daimler und VW in den Jahren von 2007-2013

Preis-pro-Fahrzeug-BMW-Daimler-VW-2007-2013BILD: Durchschnittlicher Preis pro Fahrzeug bei BMW, Daimler und VW in den Jahren von 2007-2013

Beim Umsatz hat man es noch nicht so deutlich gesehen wie hier, aber beim Absatz tun sich nochmals ganz andere Dimensionen auf. VW verkauft 4-mal so viele Fahrzeuge wie Daimler und fast 5-mal so viele wie BMW. Daran sieht man noch deutlicher, was für ein Mega-Konzern VW ist.

Auch sehr interessant ist der Blick auf den durchschnittlichen Preis pro verkauftes Fahrzeug (Konzernumsatz / Anzahl verkaufter Fahrzeuge). Daran sieht man, dass BMW und Daimler überwiegend im Premium-Segment arbeiten. Der Preis pro Fahrzeug ist dort deutlich höher, mehr als doppelt so hoch.

Auch wichtig: Man müsste bei allen Herstellern die Umsätze herausrechnen, die nicht mit der Herstellung von Fahrzeugen erzielt werden. Sie ziehen ebenfalls den durchschnittlichen Preis pro Fahrzeug nach unten.

Fazit

Unterm Strich würde ich sagen, dass jede Firma in ihrem Segment, auf ihre Art gute Arbeit leistet. Die Umsätze wachsen, die Renditen sind in Ordnung. Man kann nicht behaupten, dass die eine Firma besser wäre als die andere.

 

Ergänzende Worte zum Umgang mit den obigen Kennzahlen

Umsätze unterliegen Währungsschwankungen, die das Gesamtbild verzerren können. Wenn der Dollar steigt, der Yuan in China fällt und der Euro stabil bleibt, dann werden Umsätze aus Amerika plötzlich wertvoller. Für 10.000 USD Umsatz erhält man anstatt 8.000 EUR plötzlich 9.000 EUR. In China würde der andere Fall gelten: für 10.000 YUAN Umsatz, erhält man hier nur noch 8.000 EUR anstatt 9.000 EUR. Je nach dem, in welchem Land das Unternehmen seine größten Umsätze erzielt, umso gravierender wirkt sich das auf dessen Höhe aus. So können manche, wichtige Währungen binnen eines Jahres gerne mal im zweistelligen Prozentbereich Veränderungen unterliegen.

Dieser Effekt wird dann natürlich spürbar, wenn man den Preis pro Fahrzeug oder den Umsatz pro Mitarbeiter usw. betrachtet. Daher sind diese Kennziffern immer mit Vorsicht zu genießen und man sollte nicht zu viel in sie hineininterpretieren. Insbesondere sollte sie nicht dazu verwendet werden, um die Konkurrenzfähigkeit der Firmen untereinander zu analysieren, um Kaufentscheidungen an der Börse zu rechtfertigen. Ich finde, immer das Gesamtbild muss passen. Das Management muss die Gesamtbilanz im Griff haben, für Wachstum und einen guten Cash-Flow sorgen. Dann ist es eine gute Unternehmensführung.

Ein weiterer verzerrender Effekt sind zum Beispiel die unterschiedlichen Produktpaletten. Mercedes baut zum Beispiel Trucks und Vans, während BMW in diesem Bereich nicht tätig ist. VW wiederum ist ebenfalls in dem Segment tätig. Natürlich kostet ein Truck deutlich mehr Geld als ein Mini, oder ein 1-er BMW. Wer hier auf den durchschnittlichen Fahrzeugpreis schaut, der vergleicht natürlich Äpfel mit Birnen.

Beachten muss man auch, dass alle Gesellschaften mittlerweile Bankdienstleistungen in Ihr Portfolio aufgenommen haben. Je nach dem, welchen Umsatz sie damit erzielen, umso mehr beeinflusst Umsatz und Gewinn den Preis pro Fahrzeug und den Umsatz pro Mitarbeiter. Diese Dienste sind gar nicht unbedeutend und sie umfassen mittlerweile klassische Finanzgeschäfte wie: Kreditfinanzierung für die Autokäufer, Vermittlung von Versicherungen und Leasing usw.

Jetzt mal abgesehen von den Kennzahlen, ist meine persönliche Meinung zu dieser Entwicklung: es war richtig von den Firmen eigene Banken zu gründen und hier tätig zu werden. Es gibt dieses Sprichwort: „Die Bank gewinnt immer“ und es birgt viel Wahrheit in sich. Bevor die Finanzkrise ausgebrochen ist, da hatten Banken im Prinzip eine Lizenz zum Gelddrucken. Sofern man nicht gerade das Bedürfnis verspürt hatte sich in hochriskante Aktivitäten zu stürzen, gilt das auch heute noch. Die Krise ist hauptsächliche ausgebrochen, weil in den USA eine massive Ausweitung der Kredite für Hausbesitzer zur Regel geworden ist, obwohl diese Leute von vornherein nicht kreditwürdig waren. Dass dieses Kartenhaus irgendwann kollabiert und die Banken Forderungen in Milliardenhöhe abschreiben müssen, das war nur eine Frage der Zeit. Alle anderen Geldhäuser, die dort nicht aktiv waren, die hatten im Prinzip keine Probleme. Bankwesen ist eine äußerst lukrative Branche, die den Autobauern satte Gewinne bescheren kann. Banken gehen normalerweise nur ganz selten Pleite und meist nur dann, wenn sie irgendetwas besonders Dummes, sehr risikoreiches unternommen haben.

Der Trend zur eigenen Bank als Teil der Firma setzt sich genau aus diesen Gründen immer mehr durch. Sichere Gewinne freuen natürlich die Aktionäre und Anteilseigner. Auch der Flugzeugbauer Airbus oder auch der Handelsriese Edeka, sie alle unterhalten eigene Banken. Sie sind mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der eigenen Absatzförderung. Kunden kaufen nicht nur Produkte, sie wollen „Lösungen“ und das aus eigener Hand. Wenn ich ein Auto kaufe, dann will ich die Finanzierung auch gleich vor Ort machen, und nicht erst zu den Banken gehen. Des Weiteren sind eigene Banken ein Weg, um die eigenen Expansion zu finanzieren.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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