Riester-Rente – warum ich die Finger davon lassen würde

Je höher der Werbeaufwand, desto größer die Abzocke. Es gibt ein paar Produkte, die werden von der Finanzindustrie massiv gepusht. Wer es aber mal mit Logik probiert, der wird erahnen, dass eine marktwirtschaftlich orientierte Firma immer dort den größten Aufwand betreibt, wo es am meisten Profit gibt. Und wenn wir uns mit Werbung für die Riester-Rente überschüttet fühlen, dann können wir davon ausgehen, dass es nicht wir sind, die von diesem Produkt profitieren.

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Entscheidend ist die Lebenserwartung – nicht die Förderung
Ja, es stimmt. Der Staat fördert diese Verträge durch Zuzahlungen und das klingt auch alles so schön mit den Steuervorteilen. Aber das sind nur die Peanuts. Die individuelle Rendite einer Riester-Police ergibt sich daraus wie lange man lebt. Der wichtigste Faktor ist immer die Lebenserwartung, mit der ein Anbieter die Auszahlungen kalkuliert.

Rechenbeispiel – ohne Zinseszinseffekt
Wenn man zum Beispiel 50.000 Euro angespart hat, mit 65 in Rente geht und der Versicherer bei Vertragsschluss kalkuliert hat, dass man 75 Jahre alt werden wird, dann ergibt das eine monatliche Rente von 416 Euro. (50.000 EUR : 10 Jahre : 12 Monate). Wird ein Kunde älter, dann verliert der Anbieter Geld, denn er zahlt mehr aus, als er eingenommen hat. In dem Fall hofft er darauf, das möglichst viele andere Kunden vor ihrem 75en sterben.

Wenn die Versicherung aber der Ansicht ist, dass die Menschen 95 Jahre alt werden, dann ergibt sich daraus eine Rente von nur 139 EUR pro Monat. (50.000 EUR : 30 Jahre : 12 Monate). Stirbt man vor dem 95en Geburtstag, dann hat man mehr eingezahlt als dass man ausgezahlt bekommt. Man kann zwar manchmal noch etwas von der Rest-Summe vererben, aber persönlich hat man Verlust gemacht.

Hierzu ist ein guter Artikel in der Wirtschaftswoche erschienen. Aus diesem geht hervor, dass manche Anbieter mit einer Lebenserwartung von 110-130 Jahren rechnen. Nein, das ist kein Tippfehler. Die Finanzindustrie argumentiert, dass in den letzten Dekaden die Lebenserwartung regelmäßig gestiegen ist. Wenn man diesen Trend so 1:1 fortschreibt, dann ergibt sich für das Jahr 2040 eine Lebenserwartung von 110-130 Jahren.

Die Frage ist, ob man diesen Trend so einfach linear fortschreiben kann? Oder kann es nicht doch sein, dass die Lebenserwartung irgendwann aufhört so extrem zu steigen? Ich jedenfalls gehe davon aus, dass wohl kaum jemand die 130er Marke knacken wird. Es kann zwar sein, dass mehr Menschen die 90 oder 100 erreichen, weil es bessere Behandlungsmöglichkeiten für Krebs usw. geben wird. Aber 130, das klingt irgendwie doch sehr utopisch. Ich denke, dass die meisten Kunden nicht mal die 85 Jahre erreichen werden, so dass sich für viele Sparer keine nennenswerte Rendite ergeben wird.

Goldene Regel:

Die Rendite einer Riester-Rente hängt immer davon ab, ob man länger lebt als der Versicherer dies einkalkuliert hat. Nur dann bekommt man deutlich mehr ausgezahlt als man eingezahlt hat. 

Das ist der Grund, warum ich die Finger von Riester-Renten lasse. Es klingt alles so einfach und man bekommt fast ein schlechtes Gewissen, wenn man die „Geschenke“ vom Staat so leichtfertig liegen lässt. Aber in Wirklichkeit bedienen sich die Anbieter mit ihren Verwaltungsgebühren und treiben ihre Spielchen bei der Lebenserwartung. Wer nicht ungefähr 85-90 Jahre alt wird, der wir kaum eine Nennenswerte Rendite bei seinem Riester-Vertrag erleben. Da halte ich es für besser das Geld einfach auf dem Tagesgeldkonto zu legen. Da kommt man wenigstens jederzeit ran und kann es ganz einfach überall hin mitnehmen, während man beim Riester die Förderung komplett zurückzahlen muss, wenn man seine Rente im Nicht-EU-Ausland verbringen will.

Ohne mich – Ihr Abzocker!

Riester-Rente-nein-DankeHaftungsausschluss
Dieser Text ist nicht als Finanzberatung oder sonstige Beratung gedacht. Er spiegelt nur die subjektive Meinung des Autors zum Thema wieder.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

Ein Gedanke zu „Riester-Rente – warum ich die Finger davon lassen würde“

  1. Hallo Peter,

    ein wirklich sehr schöner Beitrag zu der Wahrheit der Riestervorsorge! Habe mich letztens gerade mit einem BWL Uniabsolventen unterhalten über genau das selbe Thema. Und ihm dazu u.a. etwas von „Spartanteil“ – nur 70 bis 80% fallen überhaupt unter den Garantiezins – erläutert und warum Kapitalanlagen regelmäßig wertlos werden und daher niemals sicher sein können.

    Wie dem auch sei, er hat es meiner Meinung nicht einmal verstanden, dass das Geldsystem auf Vertrauen aufbaut (seit 1971 ist es ja nicht mehr gedeckt). Und daher ebenso jeder Anlage welche darauf aufbaut. Von der Unflexibilität und schlechten Rendite ganz zu schweigen.

    Er holte dann aus und meinte sinngemäß: „Ja aber ich erhalte ja vom Staat eine Förderung für Riester!“ Das diese eine Mogelpackung ist wenn die Anlage so teuer und ineffizient ist, hatte er ebenfalls nicht verstanden. Fühle sich irgendwie die ganze zeit angegriffen! 😉 Aber na ja, es zeigt in jedem Fall das selbst bei Betriebswirten, nur wenige – entgegen zu Dir – diese Anlage durchschauen. Damals als ich bei der Sparkasse gearbeitet hatte, dachten auch etwa 99% der Mitarbeiter ebenfalls Riester wäre gut! Zumindest schwärmten alle mehr oder weniger davon. 😉

    In Wahrheit ist es „legaler“ Betrug! Genau wie Kapitallebensversicherungen, was schon im Jahre 1982 von der Verbraucherzentrale Hamburg festgestellt wurde.

    Liebe Grüße aus Schwerin und schöne Ostern

    Matthias

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