Rhetorik-Tipp: Seien Sie unauthentisch!

Mark Bowden, Kommunikationsexperte und erfolgreicher Buchautor empfiehlt uns so unauthentisch wie möglich zu sein. In einem extrem kurzweiligen Youtube-Video erläutert er die Gründe dafür. Verpassen Sie nicht diesen Clip, er ist nicht nur informativ, sondern auch sehr kurzweilig.

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Die vier Schubladen bei der Personenbeurteilung

Bowden erläutert, dass wir unsere Mitmenschen innerhalb von wenigen Sekunden in eine von vier Schubladen stecken: Freunde, Feinde, potentielle Sexualpartner und Gleichgültige.

Bowden

Das Problem dabei ist, dass wir nach diesem Urteil nur noch die Signale aus der Kommunikation des anderen wahrnehmen, die unser Urteil bestätigen. Sendet dieser keine weiteren Signale mehr, dann spekulieren wir sie uns einfach passend zusammen. Alle, die schon mal was von selektiver Wahrnehmung, Primacy-Effekt und vom Halo-Effekt gehört haben, die können das sicher bestätigen. Die Schublade wieder zu wechseln ist häufig sehr, sehr schwer. Dafür ist ein gewisses Maß an psychologischer Reife bzw. Erfahrung mit den eigenen Wahrnehmungsfehlern notwendig.

Wie man in die „Freunde-Schublade“ gelangt

Unser Leben würde in den meisten Fällen einfacher und besser verlaufen, wenn es uns gelingt in der Wahrnehmung anderer in der „Freund-Kategorie“ zu landen. Der Basiszustand jedoch ist im Allgemeinen Gleichgültigkeit. 7 Milliarden Leute auf der Welt sind uns völlig egal und wir ihnen auch. Erst, wenn wir / sie in der „Freunde-Kategorie“ sind, dann hören wir einander ernsthaft zu.

Der erste Schritt, um mit höherer Wahrscheinlichkeit als Freund wahrgenommen zu werden ist: ein Lächeln. Lächeln bedeutet grundsätzlich gute Absichten. Allerdings muss das ganze Gesicht dabei strahlen, ansonsten wirkt es unglaubhaft. Zudem muss es mindestens 3 Sekunden andauern, damit es richtig wahrgenommen und interpretiert wird. Tun wir dies nicht, kann es sein, dass unsere Mitmenschen nicht sicher sind, was sie denken sollen. Bei Unsicherheit neigen sie dazu übervorsichtig zu werden und werten uns möglicherweise grundlos als potentielle Angreifer.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist: das Hochziehen der Augenbrauen – während des Lächelns. Das bedeutet in dem Fall: „Ahh, ich habe dich bemerkt. Willkommen, du bist Teil der Familie.“ (Zitat: Mark Bowden)

Drittens: man soll leere Hände zeigen, so dass die Flächen nach oben gerichtet sind. Mit den Armen sollen wir beim Gestikulieren den Bereich Bauch offen halten. Das ist ein Zeichen dafür, dass man keine Waffen in der Hand hält und dass man seine verletzlichen Organe offen präsentiert, weil es keinen Grund gibt sich bedroht zu fühlen.

All diese Faktoren zusammen sorgen dafür, dass wir von unserer Umwelt deutlich positiver beurteilt werden.

Warum es gut ist unauthnetisch zu sein

Ist es nicht manipulativ, wenn wir dermaßen an unserer Körpersprache arbeiten?

Sind wir dadurch noch authentisch? Täuschen wir dadurch den Mitmenschen nicht irgendwas vor, dass einfach nur gelogen ist?

Wer sich solche Fragen stellt, der sollte mal lieber über folgendes nachdenken:

Wahrnehmungsfehler: die Psychologie kennt zahlreiche, typisch menschliche Fehler, die unser Urteil über andere verfälschen. Wir bilden uns jeden Tag!! völlig falsche Meinungen über unsere Mitmenschen. Genauso tun sie das gleiche mit uns. Ist dieser Zustand besser? Ist es da nicht irgendwie sinnvoll ein wenig nachzuhelfen und bewusst daran zu arbeiten, dass uns Menschen nicht fälschlicherweise als Bedrohung wahrnehmen?

Der menschliche Grundzustand ist Gleichgültigkeit. Dadurch entgeht uns so viel Potenzial mit anderen in Kontakt zu treten, ihre Meinungen, ihre Erfahrungen anzuhören und daraus viel zu lernen. Es wäre dumm von uns solche Möglichkeiten zu verschenken.

Liegt es in der Natur des Menschen sich vor andere hinzustellen, sich selber wie eine Ware anzupreisen und sich dem Risiko auszusetzen sich lächerlich zu machen? Nein, vor solchen Situationen würden wir normalerweise instinktiv fliehen. Leider beschert uns die moderne Welt solche Berufe wie Verkäufer oder Dozent. Zudem müssen wir uns in Bewerbungsgesprächen selbst verkaufen, damit wir einen Job kriegen. Das heißt auch, wir müssen in diesen Situationen andere davon überzeugen, dass wir keine Feinde für sie sind, sonst haben wir keine Chance unseren Beruf auszuüben. Dafür brauchen wir nun mal etwas Hilfe in Form von rhetorischem Wissen.

Vergessen Sie daher die selbstgerechten Ideen von der bösen Manipulation der Umwelt.  Seien Sie lieber so unauathentisch wie möglich – sofern Ihre Absichtern wirklich ehrlicher Natur sind.

Hier finden Sie das Video von Mark Bowden

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

2 Gedanken zu „Rhetorik-Tipp: Seien Sie unauthentisch!“

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