Sollte man bei Mitarbeiterbefragungen die Wahrheit sagen?

Von den Bekannten, mit denen ich über das Thema Mitarbeiterbefragung gesprochen habe, haben alle gesagt, dass es besser ist zu lügen. Bei denen, die auf diesem Wege versucht haben eine Änderung des schlechten Betriebsklimas herbeizuführen wurde es nur schlimmer dadurch.

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Der Pöbel hat grundsätzlich nichts zu melden

Bei einem Bekannten war es so, dass der Abteilungsleiter von allen Mitarbeitern eine schlechte Beurteilung in der anonymen Umfrage erhalten hat. Die Konsequenz war, dass den Mitgliedern der Abteilung ein Maulkorb verpasst wurde. Niemand durfte auch nur ein Wort darüber sagen, wie schlecht der Chef abgeschnitten hat, damit sich das in der Firma nicht herumspricht.

Danach haben die Mitarbeiter einen Anschiss bekommen und die Anweisung die offensichtlichen „Probleme“ des Teams intern zu lösen. Mal ein Team-Event organisieren usw. Denn eins ist klar: wenn alle den Chef schlecht beurteilen, dann muss das daran liegen, dass sie selber unfähig sind, den Herausforderungen der Arbeit gerecht zu werden.

Außerdem ist es so, dass eine schlechte Beurteilung eines Abteilungsleiters auch ein Angriff auf die darüberliegenden Chefetagen ist, denn diese haben ihn schließlich befördert. Das lässt keiner gerne auf sich sitzen.

Und als letztes: das Proletariat muss sich einfach daran gewöhnen, dass sie bei Personalfragen keinerlei Mitspracherecht besitzen.

Das Bauernopfer

Bei anderen Bekannten lief es so: Es gab eine Auswertung auf Bereichsebene und da kam etwas Schlechtes heraus. Jeder in der Firma wusste, an welcher Person das lag. Die Führungsetagen wollten aber nichts davon wissen, daher haben sie einfach jemand anderen strafversetzt und als Bauernopfer genutzt. Damit sollten die Mitarbeiter kapieren, dass sie mit einem schlechten Urteil nur dafür sorgen, dass die falschen Leute leiden müssen. Kaum jemand wird sich jetzt noch trauen ein ehrliches Urteil abzugeben, auch wenn die Umfragen anonym sind.

Kaum jemand erträgt Kritik – egal was er vorher sagt

Wie oft habe ich schon gehört, dass Leute sagen: „Ich brauche keine Ja-Sager um mich herum.“ Dennoch reagieren sie wie kleine Kinder, wenn man ein kritisches Wort anbringt. Die gleiche Erfahrung hat ein Freund gemacht, als ein externer Berater ins Team geholt wurde, um dort anonym die Probleme zu lösen. Alles, was da zur Sprache kam konnte zurückverfolgt werden, denn die Betroffenen wussten genau wer gemeint ist und wer es gesagt haben muss. Danach wurden das Klima und die gegenseitigen Vorwürfe noch viel schlimmer, denn Kritik ertragen nun mal die wenigsten Menschen.

Fazit

Nach meinen bisherigen Erfahrungen würde ich bei einer Mitarbeiterbefragung niemals ehrlich antworten, selbst wenn sie anonym durchgeführt wird.

Die Arroganz der Mächtigen ist oft viel größer als ihr Wille den Mitmenschen ein angenehmes Leben und Arbeiten zu ermöglichen. Für sie zählt nur ihr Ergebnis und wenn es auf den gebrochenen Knochen der Mitarbeiter erwirtschaftet wird, dann ist es halt so.

Aber wer weiß, vielleicht gibt es auch andere Erfahrungen?

Haben Sie andere, positive Erlebnisse gemacht mit Mitarbeiterumfragen?

 

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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