Gesellschaftliche Ignoranz

Bedingt durch meine Arbeit, verbringe ich die meiste Zeit mit Menschen, die einen relativ hohen Bildungsgrad besitzen. In meinem Freundeskreis haben viele studiert bzw. kommen aus Schichten, von denen man sagen kann, dass es ihnen finanziell gut geht.

Ich habe das nicht mit Absicht so arrangiert, weil ich mich für etwas Besseres halte, sondern dieser Prozess läuft automatisch ab. Zahlreiche Freunde kenne ich vom Studium, die anderen aus der Arbeit. Wenn ich neue Leute kennenlerne, dann bleiben meistens die hängen, mit denen ich mich gut unterhalten kann. Meist sind das jedoch jene, die bildungstechnisch ungefähr auf meiner Ebene rangieren, so dass eine unbeabsichtigte Selektion stattfindet.

Ich sehe das auch bei anderen – jeden Tag und überall. Die Reinigungskräfte in den Firmen machen mit den anderen Reinigungskräften Pause und vermischen sich nicht mit den Ingenieuren, Betriebswirten, geschweige denn den Managern. Die oberen Führungskräfte essen mit den anderen, hohen Führungskräften. Ganz allgemein gesehen treffen sich die Reichen mit anderen Reichen und die Hartz IV-Gemeinde bleibt vermutlich auch die meiste Zeit unter sich.

Was ist die Konsequenz?

Die Gesellschaft parzelliert sich selbst in Klassen und die eine Schicht hat absolut keine Ahnung was die andere treibt und damit auch kein Verständnis für deren Probleme. So kommen dann Gedankengänge zustande wie dieser – den man Marie Antoinette zuschreibt:

„Wenn das Volk kein Brot hat, dann soll es doch Kuchen essen.“

Mehr Verständnis für die „anderen“ Entwickeln

Wenn ich mir so anhöre, was die Politik daraus macht, dann sehe ich die Konsequenzen noch deutlicher:

Die linken Parteien sehen sich als die Vertreter der „ehrlichen Arbeiter“ und tun so, als wäre finanzieller Erfolg ein Verbrechen. Sie fordern mehr Steuern für die bösen Reichen, da sie alle nur Ausbeuter sind. Ich bin zwar kein Millionär aber das Geld, welches ich habe, das habe ich mir verdient, ohne dafür jemanden übers Ohr zu hauen. Daher sind solche Aussagen für mich der Ausdruck ihrer Neidkultur.

Auf der anderen Seite tun liberale Parteien gerne so, als gäbe es nur brave Unternehmer, die alle nur das Wohl der Gemeinschaft im Kopf haben. Die Armen sind nur arm, weil sie zu faul waren aus ihrem Leben etwas sinnvolles zu machen. Auch das ist eine krasse Vereinfachung der Realität, denn manche Menschen sind intellektuell gar nicht in der Lage einen hoch qualifizierten Beruf auszuüben und sich damit finanziellen Wohlstand aufzubauen.

Das Resultat ist, dass damit nur Vorurteile bestärkt und der Hass und Neid verstärkt wird. In Wirklichkeit ist es so, dass wir eine Gemeinschaft sind, in der es Menschen mit unterschiedlicher Intelligenz und Begabung gibt. Sowohl unter den Reichen, als auch unter den Armen gibt es welche, die auf Kosten anderer leben wollen und es gibt auch die, denen das Gemeinwohl am Herzen liegt.

Fazit

Es würde jedem gut tun, wenn wir alle gelegentlich mal über den Tellerrand hinausschauen und sehen, was die andere Seite so treibt. Das würde sicherlich einige Gräben innerhalb der Gesellschaft etwas glätten.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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