Was ist besser: Karriere im Konzern oder im Mittelstand?

Das ist im Grunde die Frage, ob Sie gerne wohlhabend sein möchten oder freiwillig auf viel Geld verzichten. Kaum eine Entscheidung im Berufsleben beeinflusst so stark Ihre Einkommensverhältnisse wie diese. Stehen Sie irgendwann im Leben vor dieser Wahl, dann gehen Sie lieber in den Konzern.

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Was sagt die Presse dazu?

In der Ratgeberliteratur für Studenten zum Beispiel kursiert dieses Thema regelmäßig. Leider werden aber meistens nur die immer gleichen Binsenweisheiten wiedergekaut:

  • im Mittelstand ist es familiär, im Konzern sehr anonym
  • im Mittelstand bekommt man früh Verantwortung übertragen
  • im Konzern sind die Aufgaben geordnet im Mittelstand eher improvisiert
  • im Mittelstand verdient man schlechter aber man hat meist interessantere Projekte

Manches davon mag im Ansatz stimmen, manches sind nur Hirngespinste aber die wichtigsten Argumente fehlen in dieser Betrachtung. Das liegt vermutlich daran, dass die meisten Journalisten noch nie vor dieser Entscheidung standen und den Unterschied noch nie am eigenen Leib zu spüren bekommen haben. Daher plappern sie lieber das nach, was sie in den gängigen Büchern anderer „Experten“ gelesen haben. Hier ein paar Dinge, auf die es wirklich ankommt:

Was wenn sich das Umfeld ändert?

Ich habe oft gehört, dass jemand sagt ihm oder ihr käme es bei der Arbeit nicht auf das Geld an, sondern auf interessante Aufgaben und ein gutes Umfeld. Aufgrund oben genannter Klischees, assoziieren viele solche Voraussetzungen eher mit dem Mittelstand. Daher nehmen Sie leichtfertig Jobangebote an, die sie karrieretechnisch in die Sackgasse führen, denn:

  • Was passiert, wenn sich das Umfeld negativ verändert?
  • Wie oft hält eine Stellenbeschreibung nicht das, was sie vorher versprochen hat?
  • Was, wenn die Stelle nach 6 Monaten umstrukturiert wird und sie auf einmal keinen Spaß mehr macht?
  • Was, wenn der Chef ausgetauscht wird und sich Ihr Leben von Freud in Leid wandelt?

In einem Konzern können Sie die Zähne zusammenbeißen, ein paar Monate durchhalten und sich dann intern auf eine bessere Position bewerben. Sie können sich die Tränen in der Zwischenzeit mit den dicken Gehaltsschecks abtrocknen.

Beim Mittelständler dagegen sitzen Sie möglicherweise in der Falle. Dann macht die Arbeit keinen Spaß mehr und finanziell sind Sie meist auch schlecht dran. Wenn die Firma nicht groß genug ist für einen internen Wechsel, dann müssen Sie komplett kündigen und sich extern umsehen. Vielleicht wird dadurch die Verlegung Ihres Wohnsitzes erforderlich und die ganze Familie muss umsiedeln. Das ist für alle Beteiligten eine große Belastung. Passiert das öfter, gelten Sie zudem schnell als „Jobhopper“ – auch das ist kein Vorteil.

Priorität hat immer das Umfeld und nicht die Tätigkeit

Sparen Sie sich solche Experimente und versuchen Sie so früh wie möglich in Ihrer Laufbahn im Konzern unterzukommen. Setzen Sie dabei am besten folgende Prioritäten:

Achten Sie bei der Auswahl Ihres Arbeitgebers immer zuerst auf das Umfeld und erst danach auf die Stellenbeschreibung und die Aufgaben.

Prüfen Sie, ob die Firma groß genug ist, damit Sie irgendwann in unterschiedlichen Unternehmensbereichen wie Vertrieb, Rechnungswesen, Marketing usw. Erfahrung sammeln können. Zudem muss sie genügend Freiraum bieten für gelegentliche interne Wechsel, wenn Ihnen mal eine Aufgabe oder ein Chef nicht ganz zusagen.

Sehen Sie sich an in welchen Tarifvertrag die Firma eingebunden ist. Es gibt zum Teil riesige finanzielle Unterschiede zwischen den Branchen, obwohl Ihre Tätigkeiten ähnlich sein werden. Es ist allgemein bekannt, dass Banken und Betriebe der IG Metall höhere Gehälter bezahlen als zum Beispiel eine Werbeagentur oder der Einzelhandel. Bewerben Sie sich daher mit besonderem Hochdruck immer bei den Firmen mit den besten Konditionen.

Wichtig ist auch, dass Sie ausreichend Aufstiegsmöglichkeiten haben, sofern das Ihr Ziel ist. Im Mittelstand gibt es meist nur eine oder zwei Ebenen unterhalb der Geschäftsführung. Welche Chancen bieten sich da für einen Aufstieg in die Managerebene?

Fazit

Wenn Sie eine finanziell hervorragende Ausgangsbasis im Konzern ergattert haben, dann können Sie sich immer noch daran machen eine Position zu erlangen, die Ihnen wirklich Spaß macht. Das kann zwar einige Zeit dauern, aber den perfekten Job hat sowieso kaum jemand auf dieser Welt. Sie verpassen also nichts, wenn Sie ein paar „Knechtjahre“ in Kauf nehmen.

Achten Sie unbedingt darauf, dass die Firma groß genug dafür ist. Sie muss genug organisatorischen Spielraum bieten, um sich horizontal (verschiedene Abteilungen) und vertikal (verschiedene Führungsebenen) weiterzuentwickeln.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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