Karriere als Trainer oder Freiberufler – Teil 1

Viele Menschen träumen davon sich selbständig zu machen. Einige ziehen hierfür eine Laufbahn als Trainer bzw. als Freiberufler in Betracht. Mit Trainer oder Freiberufler meine ich insbesondere Tätigkeiten, bei denen keine materiellen Güter erstellt werden, so dass sich der Einsatz von Kapital oder von Produktionsmitteln nahezu erübrigt. Eine solche Laufbahn ist meist nicht wegen dem Gehalt attraktiv, sondern aufgrund der Chance ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Daher klären wir heute, unter welchen Voraussetzungen Sie den Absprung wagen können.

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Finanzielle Voraussetzungen für die Selbständigkeit
Nehmen wir an, Sie verdienen bisher zwischen 40-60 TEUR pro Jahr und denken darüber nach sich ab nun freiberuflich durchzuschlagen. Um Ihren Lebensstandard halten zu können, benötigen Sie ein Einkommen von mindestens 60-80 TEUR jährlich. Warum? Weil Sie als Angestellter eine Wertschöpfung erbringen, die Sie auf dem Lohnzettel bisher gar nicht sehen können. Dies ist der Arbeitgeberanteil an den Sozialleistungen (Rente, Krankenversicherung etc.), für den Sie ab nun selbst aufkommen müssen. Da Sie zudem ohne gesonderte Versicherung bei Krankheit keine Lohfortzahlung mehr erhalten, ist ein weiterer Aufschlag notwendig. Auch zu berücksichtigen ist, dass Sie gegebenenfalls Ihre eigenen Arbeitsmittel (PC, Drucker, Internetanschluss) mitbringen müssen, anstatt wie vorher in einem voll ausgerüsteten Büro zu sitzen.

Wer also sein vorheriges Angestelltengehalt als Richtgröße verwendet, der sollte darauf immer mindestens 50%, am besten 100% an notwendigem Umsatz hinzurechnen, damit das Einkommen unter dem Strich nicht sinkt.

Gut, ein Freiberuf ermöglicht es auch Kosten steuermindernd anzusetzen, die man als Privatperson nicht absetzen kann, wodurch Sie mehr Geld von Ihren Einnahmen behalten als Angestellte. Aber um die gestiegenen Existenzrisiken vollständig zu kompensieren, sollte der Umsatz deutlich höher sein, als das Bruttogehalt. Nur dann sind Sie auf der sicheren Seite. Sehen Sie auch hier.

Kalkulieren wir ab nun ganz vorsichtig mit einem Zielgehalt von 60 TEUR als Freiberufler und ignorieren dabei steuerliche Aspekte. Ein Jahr hat 365 Tage, davon sind im Schnitt ca. 220 Arbeitstage – 30 Tage Urlaub und Feiertage bereits mit eingerechnet. Möchten Sie in dieser Zeit den geplanten Umsatz (60 TEUR) erzielen, dann sind das genau 273 Euro, die Sie am Tag erwirtschaften müssten. Bei einem Arbeitstag von 8 Stunden sind das 34,10 Euro pro Stunde. Auf Wochenbasis umgerechnet: 1900 Euro pro Woche.

Den richtigen Tagessatz ermitteln
Der durchschnittliche Tagessatz für hauptberufliche Trainer liegt meist bei mindestens 600-1000 Euro und das sind noch die preiswerten. Das klingt nach viel Geld, ist aber nicht anders machbar, da Sie vermutlich nicht für jeden Tag der Woche einen Auftrag akquirieren können werden. Es kann gut passieren, dass Sie die 1900 Euro Umsatz pro Woche an nur 2-3 Arbeitstagen erwirtschaften müssen und dafür ist ein so hoher Tagessatz unablässig.

Die Fragen, denen Sie sich stellen müssen sind daher:
Schaffen Sie es mit Ihrem Leistungsangebot Ihr Bruttogehalt zu überbieten?
Ist Ihnen die Freiheit so viel wert, dass Sie auf finanziellen Wohlstand verzichten können?
Schaffen Sie es eine Tätigkeit zu finden, bei der Sie oben genannte Tagessätze verlangen können?
Schaffen Sie es zudem genügend Aufträge zu akquirieren?

Wenn Sie all diese Fragen nur mit Nein beantworten können, dann können Sie davon ausgehen, dass Sie finanzielle Einbußen erleiden werden. In diesem Fall müssen Sie abwägen, ob Ihnen die zusätzlichen Freiheiten der Selbständigkeit das alles wert sind.

Ausblick auf Teil 2
Im nächsten Teil dieser Serie prüfen wir, ob sich Ihr Konzept als eine Dauerlösung für das gesamte Arbeitsleben eignen kann.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

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