Investieren an den Finanzmärkten – Teil 1

Für viele Menschen sind die Finanzmärkte ein undurchsichtiger Dschungel, den sie am liebsten niemals betreten möchten. Die Angst sich zu verirren ist viel zu groß, daher lassen sie die Finger von allem, was damit zu tun hat – zumindest glauben sie das. Es ist ein Irrtum. Wir alle sind schon lange Kapitalanleger, nur meistens wissen wir es gar nicht.

Wenn Sie eine Pensionskasse haben, einen Rentenfonds oder eine Lebensversicherung, dann spekulieren Sie bereits an den Märkten. Sie geben Ihr Geld nur anderen Menschen in die Hand und die machen damit den großen Reibach. Das jedoch ist ein Fehler, denn so entgehen Ihnen die meisten Gewinne, während andere reich werden.

Ich sage: heutzutage muss jeder Normalbürger ein Experte der Finanzmärkte sein und auf eigene Faust investieren. Ich zeige Ihnen auch gleich wieso.

Das staatliche Rentensystem bricht zusammen

Mittlerweile sollte uns allen bekannt sein, dass die demografische Entwicklung das staatliche Rentensystem kollabieren lassen wird. Wenn die Politik zugibt, dass es schlimm aussieht, dann ist die Lage in Wirklichkeit schon katastrophal. Normalerweise werden Probleme so lange wie möglich weggelogen, weil keine Partei der Buhmann sein möchte, der die unangenehmen Maßnahmen zur Rettung ergreift. Die Politiker sichern sich immer zuerst Ihre Pfründe und erst dann kommt der Rest. Wenn es dann mal kracht, dann sollen doch die sich darum kümmern, die zu dieser Zeit an der Regierung sind. Erwarten Sie von dieser Seite also keine Hilfe für Ihre sichere Versorgung im Alter.

Private Altersvorsorge

Nachdem Rot-Grün 1998 die Regierung übernahm, kam Bewegung in die Angelegenheit. Der Staat versuchte die Bürger dazu zu bewegen privat vorzusorgen. Als Lösung wurde unter anderem die staatlich geförderte Riester-Rente eingeführt. Das Ergebnis: eine Katastrophe – das können Sie heute überall nachlesen:

Hier einige Artikel vom WDR, dem Spiegel-Online und der Welt-Online (Artikel1, Artikel2), in denen schwere Kritik an der Riester-Rente geübt wird.

Eine Riester-Rente ist ein Finanzprodukt wie jedes andere auch (zum Beispiel Kapitallebensversicherung) und sie funktioniert nach dem immer gleichen Schema: Sie zahlen Geld an einen Finanzdienstleister. Der Finanzdienstleister nimmt dieses Geld und legt es an den Finanzmärkten an. Sie erhalten dabei eine Garantie, dass Sie mindestens eine Rendite von X% erhalten.  Das besondere an der Riester-Rente ist, dass der Staat sie fördert indem er Geld dazuschießt bzw. Steuervorteile gewährt. Bis auf diese Fördermaßnahmen funktionieren alle Finanzprodukte fast genau nach diesem Prinzip, egal ob Lebensversicherung, Fondssparplan, Rentenfonds, Pensionskasse. Es gibt lediglich Unterschiede in den Anlagenklassen (Aktien, Anleihen usw.) und den damit verbundenen Chancen und Risiken bezüglich der Rendite.

Das Problem dabei ist, dass die Finanzinstitute Ihr Geld in Fonds, Anleihen und Aktien anlegt, die Sie genauso gut selber erwerben könnten – nur viel billiger. Sie können auch problemlos in Produkte investieren, die eine Kapitalgarantie enthalten – Sie brauchen dazu keinen Riester-Vertrag. Dieser hat nämlich den Nachteil, dass sich einzusätzlicher Industriezweig (Finanzindustrie) zwischen Sie und den Staat auf der einen Seite und dem Kapitalmarkt auf der anderen Seite mit eingenistet hat. In dieser Zwischenposition halten sie lediglich die Hand auf und bieten dafür kaum zusätzliche Vorteile. Somit fressen diese Abzocker die Förderung komplett auf, wie ein riesiges Schwein, das den Hals einfach niemals voll kriegt.

Es gibt auch noch andere Formen der staatlich geförderten Altersvorsorge, die zwischenzeitlich eingeführt wurden. Eine davon ist die betriebliche Altersvorsorge in Form von Gehaltsumwandlung. Ich gebe zu, ich habe mich dazu hinreißen lassen zu Beginn meines Berufslebens dort mitzumachen. Ob das clever war, weiß ich noch nicht. Es heißt zwar immer, der Staat fördere die Altersvorsorge aber eine Garantie dafür gibt es nicht auf ewig. Die Regierung holt sich immer irgendwo Geld, wenn sie welches braucht. Und wenn in 30 Jahren keines mehr da ist, dann nimmt sie es sich eben von denen, die zwar noch etwas haben aber doch zu arm waren um ins Ausland zu fliehen. Daher gilt auch hier: langfristig ist keine Förderung durch die Regierung wirklich sicher.

Das Tragische an der Sache ist, dass die Folgeregierung die Steuerfreiheit für Lebensversicherungen gestrichen hat. Diese Anlagen waren früher die beliebteste Form der Altersvorsorge. Besonders rentabel war auch sie nicht aber wenigstens bedienten sich nicht ganz so viele Personen an Ihren Einzahlungen. Des Weiteren wurde eine Frist abgeschafft, die Gewinne am Kapitalmarkt steuerfrei machte. Wer zum Beispiel Aktien mit Gewinn veräußerte, musste keine Steuern darauf zahlen, wenn er diese davor ein Jahr gehalten hatte. Das ist heute nicht mehr möglich. Dadurch werden Menschen abgestraft, die auf eigene Faust versuchen Vermögen aufzubauen, während auf der anderen Seite Geld ausgegeben wird, um minderwertige Anlagen zu fördern.  Anstatt das Problem zu lösen, scheint der Staat noch mehr daran interessiert zu sein die Bürger in ein ineffizientes System zu treiben. Wer sich da die Hände reiben darf, dass können Sie sich sicher denken.

Inflation

Die meisten Formen privater Altersvorsorge ermöglichen im Idealfall eine Rendite von ca. 3-4% – und das bei staatlicher Förderung. Im Moment ist es jedoch so weit, dass die Lebensversicherer und Riester-Anbieter ihren Garantiezins ab 2012 von 2,25% auf 1,75% senken möchten. Viel mehr als obige Beträge, können Sie sich also kaum erhoffen. Bedenken Sie nun, dass die jährliche Inflationsrate seit Jahren bei mindestens 2% liegt.  Ihre Gewinne werden fast in dem Moment wieder vernichtet, in dem sie entstehen.

Privatvorsorge in der jetzigen Form ist für mich eine staatlich unterstützte Form von Abzocke durch die Finanzindustrie an den kleinen Leuten. Sie wird die Probleme unserer Gesellschaft ganz sicher nicht lösen. Wer sich darauf verlässt, der wird im Alter vor gravierenden finanziellen Problemen stehen.

Werden Sie an der Börse aktiv

Lassen Sie nicht zu, dass sich die Finanzindustrie bei Ihnen bedient. Da deren Vermögensverwalter genau die Geldanlagen kaufen, die Sie auch erwerben können, macht es einfach keinen Sinn eine Zwischenstation einzuschalten, die Ihnen nichts zu bieten hat und nur Geld kostet.

Sie müssen kein Börsenprofi werden und permanent den Aktienticker verfolgen um Erfolg zu haben. Es gibt Produkte, die sind so einfach, dass sie jeder versteht. Sie sind zudem billig und erwirtschaften trotzdem mehr Rendite als die meisten sonstigen Anlagen. Das Stichwort lautet ETF oder auch Indexfonds. Dazu aber mehr im zweiten Teil dieser Serie. Als erstes nur diese beiden Empfehlungen für Sie:

  1. Finger weg von minderwertigen Produkten „geförderter“ Altersvorsorge
  2. Bilden Sie sich fort und werden Sie als Investor am Finanzmarkt aktiv

Fazit

Die staatliche Rente ist kurz vor dem Kollaps. Sich auf sie zu verlassen ist finanzieller Selbstmord.

Staatlich geförderte Altersvorsorge ist teuer und ineffizient. Reich werden dabei nur die Anbieter.

Wollen Sie im Alter nicht verarmen, haben Sie keine andere Wahl als selbst als Investor aktiv zu werden.

Mit einigen günstigen und einfachen Anlageinstrumenten (ETFs und Indexfonds) können Sie wesentlich bessere Ergebnisse erzielen als professionelle Finanzmanager.

In eigener Sache

Ihnen wird sicher aufgefallen sein, dass dieser Blog Werbeanzeigen schaltet, mit denen ich meine Arbeit finanzieren kann. Es kann dabei passieren, dass Sie dort Werbung für Riester-Renten usw. sehen, obwohl ich im Artikel gerade von diesen Produkten abrate. Bitte haben Sie für diesen möglichen Widerspruch Verständnis. Ich habe keinen direkten Einfluss auf den Inhalt der Anzeigen und kann leider nicht bestimmte Produktklassen abstellen lassen.

Haftungsausschluss:

Bitte beachten Sie: alle Kommentare zu rechts-, finanz- und steuerrechtlichen Themen sind ohne Gewähr und lediglich subjektive Meinung des Autors. Für verbindliche Auskünfte sollten Sie einen Anwalt, Steuer- oder Finanzberater konsultieren.

Autor: Peter Kovacs

Peter Kovacs ist Diplom Betriebswirt (FH) und arbeitet als Controller. Zudem ist er Trainer für Speed-Reading, antike Gedächtniskunst und nonverbale Kommunikation.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.